Neues Handy - mit oder ohne Vertrag? Das sollten Sie bedenken - DER SPIEGEL
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Smartphones Neues Handy - mit oder ohne Vertrag?

Zur Messe Ifa werben die Smartphone-Hersteller um neue Kunden. Wer sich für ein Handy entschieden hat, sollte sich gut überlegen, welcher Vertrag der beste ist.
Neue Smartphones
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Foto: SPIEGEL ONLINE
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Meine Liebste hat seit einigen Wochen ein neues Smartphone, ein schickes Teil. Allein, sie hat es noch nicht in Betrieb genommen. Denn sie muss vorher mindestens zwei Entscheidungen treffen, und die kosten potenziell eine Menge Geld. Die erste und wichtigste: Mit welchem Tarif soll sie ihr Smartphone benutzen? Bisher hat sie einen kostengünstigen Prepaid-Tarif im Telekom-Netz. Als sie vor Jahren damit begann, hatte dies den Vorteil, dass das Telefonieren mit der Tochter und das SMS-Schreiben am preiswertesten waren.

Inzwischen sind viele Tarife so gestaltet, dass es für meine Partnerin kostenmäßig keine Rolle mehr spielt, in welchen Netzen sie und die Tochter telefonieren, simsen und chatten. Dafür umso wichtiger: der Empfang im ostdeutschen Ferienhaus. Dort nutzen alle Nachbarn trotz schmaler Geldbeutel das Vodafone-Netz. Denn nur in diesem Netz kann man dort überhaupt erreicht werden.

Den Vergleich mit der Telekom hat sie dort oft genug gemacht und keinen Empfang gehabt. Den Vergleich mit O2 mag sie gar nicht erst wagen, sagen ihr doch Experten, dass mit O2 Empfang und Netzabdeckung  auf dem Lande im Allgemeinen noch schlechter seien. Keiner der Nachbarn ist im O2-Netz.

Smart ist, wer das Smartphone ohne Vertrag kauft

Ihre logische Schlussfolgerung: Sie sucht sich einen kostengünstigen Prepaid-Tarif  im Vodafone-Netz aus. Am Frühstückstisch kann ich sie daher mit der Botschaft erfreuen, dass sie bis dahin alles richtig gemacht hat und es tatsächlich meist smarter ist, das Smartphone getrennt vom Vertrag zu besorgen. Die Koppelung eines neuen Mobiltelefons an einen neuen Vertrag ist normalerweise teurer, als Telefon und Vertrag  getrennt zu kaufen.

28 Millionen Smartphones sollen in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden. Das wäre ein neuer Rekord. Gleichzeitig gehen aber die Umsätze zurück, sagt der Branchenverband Bitkom. Das heißt: Die Preise sinken - gut für den Verbraucher.

Dann aber stellt sich die nächste Frage für den technischen Laien. In der Bedienungsanleitung des neuen Smartphones steht, meine Liebste müsse nun eine Nano-Sim-Karte einsetzen (wir gehören zur Generation, die Bedienungsanleitungen noch liest - eine Alterserscheinung). Und weiter: Bitte den zur Grundausstattung des Smartphones gehörenden Pikser senkrecht einführen und den kleinen Plastikschieber herausholen. Darin soll neben der Nano-Sim-Karte auch noch eine Speicherkarte Platz haben.

Kunden müssen sich der neuen Produktwelt anpassen

Aufklärung war an dieser Stelle dann doch ganz leicht. Die Mobilfunkanbieter schicken eine Karte, die man zerbrechen und somit verkleinern kann, damit sie in die entsprechenden Slots passen. Ohnehin kann sie in das neue Smartphone selbst nur noch Karten hineinschieben.

Der eigenhändige Wechsel des Akkus, den ihr altes Smartphone noch erlaubte, und von dem ich ja nach wie vor denke, dass eine solche einfache Modulbauweise ökologisch fortschrittlicher war, ist beim neuen schicken Teil ohne Fachwerkstatt nicht mehr erlaubt. Dass der Akkuwechsel überhaupt möglich und in der Bedienungsanleitung beschrieben ist, ist eine Konzession des Konzerns an kritische Kunden. Beim Vorgängermodell des Herstellers ging nicht einmal das.

Sie wird also demnächst die neue Nano-Sim-Karte in den Schacht schieben, einen neuen Mobilfunkvertrag mit der alten Nummer nutzen (und dafür hoffentlich noch eine Prämie vom neuen Anbieter bekommen), um weiterhin telefonieren zu können.

Vielleicht nimmt meine Liebste am Wochenende sogar an einer der Führungen für Ältere bei der diesjährigen Funkausstellung in Berlin (Ifa) teil. "Reif für die Ifa" , lautet dort das Motto. Ich dachte immer, der Vorteil von Produkten und Dienstleistungen in der Marktwirtschaft sei, dass sich die Produkte dem Kunden anpassen. Doch nach zehn Jahren Smartphone scheint dieses Konzept noch immer nicht bei den Herstellern angekommen zu sein - hier sollen sich die Kunden wohl eher der neuen Produktwelt anpassen.

PS: Ein Tipp für Pfennigfuchser - rund um die Ifa wird auch das eine oder andere neue Smartphone vorgestellt. Wenn Sie bis nach der Ifa warten, bekommen Sie die Vorgänger-Generation  dieser Geräte deutlich preiswerter.

Zum Autor

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »taz«. Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.