Entschädigung für Fluggäste Verbraucherportal verklagt Ryanair wegen Streik
Ryanair-Maschinen am Flughafen Hahn
Foto: Thomas Frey/ dpaDas deutsche Fluggastrechteportal Flightright hat wegen des Streiks bei Ryanair Klage gegen den irischen Billigflieger eingereicht. "Wir kämpfen dafür, dass Fluggäste zu ihrem Recht kommen", sagte Flightright-Rechtsexperte Oskar de Felice dem "Handelsblatt". Der Streik sei "die logische Konsequenz von Ryanairs fragwürdiger Personalpolitik".
Ryanair habe durch "jahrelanges Lohndumping und Salamitaktik bei Gesprächen mit den Gewerkschaften einen solchen Streik heraufbeschworen", sagte de Felice. Deshalb bestünden "keine Zweifel", dass Ryanair verpflichtet sei, seinen Kunden Entschädigungen für den Flugausfall zu zahlen.
Die Klage von Flightright wurde vor dem Landgericht Frankfurt am Main eingereicht. Ryanair hatte erklärt, seine Passagiere nicht für Flugausfälle und -verspätungen infolge des Streiks vom vergangenen Freitag zu entschädigen. Alle betroffenen Kunden seien rechtzeitig umgebucht worden oder hätten den Preis des Flugtickets zurückerhalten, hieß es.
Laut einer EU-Verordnung haben Passagiere Anspruch auf eine Entschädigung bei Annullierungen oder Verspätungen von Flügen - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber ebenso wie widriges Wetter als einen solchen Umstand. Verbraucherschützer haben an dieser Sichtweise allerdings rechtliche Zweifel.
Ryanair teilte mit, man komme allen Vorschriften der EU-Verordnung vollständig nach. "Da diese Flugstreichungen jedoch durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden, ist keine Entschädigung fällig." Die Gewerkschaft handele "ungerechtfertigt und völlig außerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaft".
Wenn Kunden via Flightright klagen wollen, müssen sie dem Portal eine Vollmacht erteilen, um die Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft durchzusetzen. Im Erfolgsfall tritt Flightright einen Teil der Entschädigungssumme ab. Das Portal trägt alle Kosten der Klage - auch wenn diese verloren wird. Kunden können also ohne rechtliches Risiko eine Entschädigungsforderung durchsetzen.
Ver.di verhandelt für Kabinenpersonal
Bei Ryanair waren vergangene Woche Piloten in den Ausstand getreten. Das Unternehmen sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Ryanair bestreitet dies. Erst im vergangenen Jahr hatte sich Ryanair nach langem Druck grundsätzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen. An diesem Mittwoch startet die Gewerkschaft Ver.di in der irischen Hauptstadt Dublin Tarifverhandlungen für die rund tausend Kabinenbeschäftigten der Fluggesellschaft in Deutschland.
BBC-Doku: Die Geschichte von Ryanair und easyjet