Promi-Werbeclips Und jetzt: Reklame!
Was kann ein Mann noch erreichen, der schon alles erreicht hat? Zum Beispiel mit der Werbeagentur Jung von Matt nach Südafrika fliegen und sich in einem Spot für Katjes-Fruchtgummis als Freeclimber an den Felsen hängen.
Mit seinem Körpergewicht ist Reiner Calmund für die Rolle nicht gerade die nahe liegende Besetzung - aber eine sehr lustige. Zumal er in dem Clip auch noch selbstironisch bedauert, dass Katjes ja gar kein Fett enthalten.
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Mit dem Clip der Agentur Jung von Matt aus dem Jahr 2010 ist Calmund in gewisser Weise zum Vorreiter der Body-Positivity-Bewegung geworden, die, befeuert durch die sozialen Medien, seit einigen Jahren als Antwort auf den Schlankheitswahn immer mehr Zuspruch bekommt. Außerdem ist der "Iron Calli" wohl einer der skurrilsten Auftritte eines Prominenten in einem Werbeclip.
Die Medienforscher Donald Horton und Richard Wohl haben bereits in den Fünfzigerjahren herausgefunden, dass wir zu Personen, die wir lediglich aus dem Fernsehen und anderen Medien kennen, sogenannte parasoziale Beziehungen aufbauen können. Mitunter können wir uns Calmund & Co. so nah fühlen wie einem guten Freund.
Marketingprofis machen sich diese Funktion unserer Psyche seit Jahrzehnten zunutze. Sie lassen Promis als sogenannte Testimonials für Produkte werben, in der Hoffnung, dass sich ihre Bekanntheit auf die Marken überträgt. Dabei kommen - siehe Calmund - teils kreative Kombinationen heraus. Oft genug aber auch Fremdschäm-Monster aus der Werbehölle.
Zwischen genial und gaga liegt oft nur ein schmaler Grat. Aber urteilen Sie selbst. Das zumindest ist unsere hochsubjektive Top Ten:
Platz 10: Sarah Connor + Always Ultra (2009)
Die Popsängerin Sarah Connor hat vor rund neun Jahren für die Bindenmarke Always Ultra einen exklusiven Song veröffentlicht. Er handelt davon, wie Connor gestärkt aus einer schmerzhaften Trennung hervorgeht. Was Binden- und Bindungsprobleme miteinander zu tun haben, versuchte sie später in einem Interview zu erläutern. "Always ist eine starke Marke für Frauen, die ihre Freiheit genauso sehr lieben wie ich", sagte Connor.
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Platz 9: Boris Becker + AOL (1999)
Das Prädikat "Instant Classic" hat die AOL-Werbung, in der Tennis-As Boris Becker wie ein Kind darüber staunt, wie leicht er ins Internet kommt. Die etwas übertrieben wirkende Verblüffung ist angeblich kein Ausdruck mangelnden Schauspieltalents; sie soll echt gewesen sein. "Der Spruch stand nicht im Drehbuch", behauptete die Hamburger Werbeproduzentin Petra Felten-Geisinger später gegenüber der "Welt".
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Platz 8: Lothar Matthäus und Anthony Yeboah + Danone (2000)
In die Rubrik "WTF?" fällt der Werbeclip der Agentur Young & Rubicam, in dem ein Dany-Sahne-Pudding den Fußballern Lothar Matthäus und Anthony Yeboah offenbar Superkräfte verleiht - wenn auch nur beim Rennen, beim Singen jetzt eher nicht so.
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Platz 7: Albert Darboven + Darboven (1991)
Ein Beleg, wie stark sich die deutsche Gesellschaft in den vergangenen 25 Jahren verändert hat, ist die Idee-Kaffee-Werbung, in der der Chef, in diesem Fall der Hamburger Unternehmer Albert Darboven, einfach mal seine Kunden besucht und mit ihnen, äh, plaudert:
Darboven: Als Idee-Kaffee-Hersteller kümmer ich mich gern selbst um meine Kunden.
Frau: Toll, Herr Darboven.
Mann: Ganz einmalig.
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Platz 6: Heidi Klum + "Guitar Hero" (2008)
Die gefühlt fünf Milliarden Werbespots, die es mit Heidi Klum gibt, funktionieren ja ohnehin alle nach demselben grobmaschigen Strickmuster: Klum tanzt, catwalkt oder räkelt sich oder macht sonst irgendwas mit ihrem Körper, um ein Produkt begehrenswerter erscheinen zu lassen. Folgender Clip für das Computerspiel "Guitar Hero" dürfte aber der bislang peinlichste im Oeuvre der Klum sein. Weiße Socken? WTF?
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Platz 5: Cate Blanchett + Tim Tam Kekse (Mitte der Neunzigerjahre)
Lange bevor sie mit "Blue Jasmine" einen Oscar gewann, machte Cate Blanchett weniger oscarreife Werbung für die australische Schokoladenkeksmarke Tim Tam. In dem TV-Spot befreit sie einen Geist aus einer Flasche und hat dafür drei Wünsche frei. Wunsch eins: eine Schachtel Tim Tam, die nie leer wird. Wunsch zwei und drei: noch zwei davon...
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Platz 4: Verona Pooth + Kik (2009 - 2014)
Nach dem Spinat mit dem Blubb und der Werbung für Telegate ("Da werden Sie geholfen") war es still geworden um die selbsternannte Werbeikone Verona Pooth. Doch dann, Ende der Nullerjahre, gelang ihr mit einer Kampagne für den Textildiscounter Kik das Comeback. In den Spots führt sie dümmliche Dialoge mit einem schlecht animierten Zeichentrick-Shirt. Was in etwa so befremdlich ist wie die Vorstellung, dass Pooth regelmäßig bei Kik shoppen geht.
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Platz 3: Brad Pitt + Pringles (1989)
In die Kategorie "Jugendsünden" dürfte der Werbeclip von Brad Pitt als Pringles-Boy fallen. Grobe Handlung: Pitt und seine Kumpels haben, verdammt, alle Chips aufgefuttert, und da geht dann natürlich gleich auch noch ihr Cabriolet kaputt. Zum Glück haben sie eine wirklich geniale Idee: Sie locken mit nacktem Oberkörper ein paar Bikini-Girls aus deren Auto und fahren damit davon. Mit ihren Pringles natürlich auch.
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Platz 2: Daniela Katzenberger + 118000 AG (2010)
"118000, mit drei Nullen, wie drei Stullen." Der Werbespot mit Trash-TV-Star Daniela Katzenberger, die mit Lippenstift die Telefonauskunftsnummer der 118000 AG auf einen Badezimmerspiegel schreibt, ist feinster Dadaismus. Nur haben das leider nicht genug Leute verstanden. Also, eigentlich fast niemand. Die 118000 AG machte in seinem Erscheinungsjahr Millionenverluste. Der Spot könnte einer der größten Flops in der Geschichte der TV-Werbung sein.
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Platz 1: Manuel Neuer + Coca Cola (2014)
Platz 1 gebührt entweder Reiner Calmund (siehe oben) oder jener Coca-Cola-Werbung, in der eine Frau ihrem Freund beim Fußballgucken heimlich eine Coke Zero unterjubelt. Als er merkt, dass er nichts gemerkt hat, kommen dem Mann grundlegende Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Wahrnehmung - woraufhin sich seine Freundin in Manuel Neuer verwandelt.
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Platz 1, weil der Spot auf mehreren Humorebenen gleichzeitig funktioniert - unter anderem als Persiflage auf traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit. Und Platz 1, weil es im Netz inzwischen nahezu unendlich viele, oft ebenso schöne Abwandlungen des Clips gibt. Unter anderem diese mit Sigmar Gabriel:
Bonus-Track: Uwe Seeler + Hatric-Rasierwasser (Siebzigerjahre)
Außer Konkurrenz läuft der Spot, in dem Uwe "Der Hinterkopf der Nation" Seeler versucht, sich ein Rasierwasser auf die Hand zu spritzen, während er "Im Frühtau zu Berge" pfeift. Er stammt leider aus einer Zeit, in der es noch keine Videorekorder gab und ist deshalb öffentlich nicht komplett überliefert. Im Netz findet sich leider lediglich dieser kurze Ausschnitt .