Spendenrechner: Wie großzügig sind Sie? - DER SPIEGEL
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Vergleichsrechner Wie großzügig sind Sie als Spender?

Die Deutschen spenden zunehmend mehr Geld - besonders in der Adventszeit. Doch wie viel Geld ist angemessen? Wie viel geben andere mit ähnlichem Einkommen? Der Vergleichsrechner gibt Antworten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Wochen vor Weihnachten sind für viele Menschen in Deutschland die angemessene Zeit zum Spenden: Allein auf den Dezember entfällt Umfragen zufolge ein Fünftel des gesamten Jahresaufkommens.

Doch wie viel Geld für den guten Zweck ist angemessen? Zwar muss das letztendlich jeder und jede für sich selbst beantworten. Aber es kann hilfreich sein, das Spendenverhalten vergleichbarer Bürger zu kennen - konkret Spender ähnlichen Alters und Einkommens.

Die neu gegründete Initiative deutsche Spendenstatistik hat gemeinsam mit dem SPIEGEL einen Spendenrechner entwickelt. Damit können Sie Ihr individuelles Spendenverhalten einschätzen. Zudem gibt er übersichtlich Auskunft über die Spendenpraxis der verschiedenen Altersstufen und Einkommensklassen in Deutschland.

Interaktiv

Der Spendenrechner beruht auf detaillierten Daten der jüngsten Einkommensteuerstatistik des Statistischen Bundesamts. Daher bildet er ausschließlich jene Spenden ab, die das Finanzamt anerkennt - und die auch tatsächlich geltend gemacht wurden. Es gibt also einen blinden Fleck: Gaben an Bedürftige auf der Straße oder die Kirchenkollekte erfasst der Spendenrechner nicht, obwohl es sich zweifellos um Spenden handelt.

Dennoch sei die Steuerstatistik in Bezug auf das Spendenverhalten "ein riesiger Datenschatz", der erst zu einem Teil gehoben sei, sagt Daniel Rahaus von der Initiative deutsche Spendenstatistik - ein Projekt, das der Verhaltensökonom erst vor wenigen Monaten gemeinsam mit vier Partnern initiiert hat: der Online-Spendenplattform Betterplace, der Denkfabrik Ziviz im Stifterverband, der Deutsche Spendenrat als Dachverband spendensammelnder Organisationen als auch AmazonSmile, das Charity-Programm des Onlinehändlers.

Erklärtes Ziel ist es, eine umfassende und detaillierte jährliche Spendenstatistik auf Grundlage der Steuerdaten zu etablieren. Im Sommer 2019 soll sie zum ersten Mal erscheinen und bereits existierende Erhebungen ergänzen, die auf Umfragen beruhen.

Erste Befunde kann die Initiative bereits vorlegen:


Erstens: Die Bedeutung von Spenden steigt in Deutschland stark.
Seit dem Jahr 2001 hat sich das Spendenaufkommen preisbereinigt - also nach Herausrechnen der Inflation - mehr als verdoppelt und dürfte nun um 132 Prozent höher liegen als zu Beginn des Jahrtausends. Das gilt jedoch nur, wenn man die Spenden an politische Parteien herausrechnet - diese sind seitdem sogar um 17 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum legte die Wirtschaftskraft real lediglich um 24 Prozent zu, die Konsumausgaben der Deutschen stiegen noch schwächer, nämlich um 14 Prozent.

Rahaus interpretiert diesen überproportionalen Anstieg auch als Zeichen für ein Erstarken der Zivilgesellschaft. Spenden hätten nicht nur einen mildtätigen Aspekt, sondern auch einen politischen, sagt er im Interview mit dem SPIEGEL . Oft seien es gemeinnützige Organisationen, die - hauptsächlich durch Spenden finanziert - gesellschaftliche Veränderungen vorantrieben. Beispiele seien der durch einen Umweltverband vor Gericht erwirkte Rodungsstopp im Hambacher Forst oder das Hamburger Transparenzgesetz, das maßgeblich von gemeinnützigen Organisationen mitgestaltet wurde.


Zweitens: Bürger spenden mehr als bislang gedacht
In absoluten Zahlen dürften die steuerlich anerkannten privaten Spenden in diesem Jahr laut Rahaus' Berechnungen die Zehn-Milliarden-Euro-Marke erreicht haben. Ganz sicher ist das zwar nicht, weil Einkommensteuerdaten stets erst mit einigen Jahren Verzögerung vorliegen - schließlich ist eine Steuererklärung mitunter auch Jahre rückwirkend möglich. Die jüngsten Daten beziehen sich auf das Jahr 2014, die Jahre danach sind auf Grundlage der langjährigen durchschnittlichen Steigerungsrate geschätzt.

Sicher ist aber, dass die Bürger mehr spenden als bislang vermutet. Im Jahr 2014 wurden 8,4 Milliarden Euro steuerlich geltend gemacht - was nicht unbedingt heißt, dass auch exakt diese Summe in diesem Jahr gespendet wurde. Denn Spenden können unter bestimmten Umständen in Folgejahren übertragen werden; im Jahr 2013 summierten sich diese sogenannten Vorträge auf 2,1 Milliarden Euro.

In jedem Fall aber lag das Spendenaufkommen 2014 über jenen fünf Milliarden Euro, die der Deutsche Spendenrat in seiner "Bilanz des Helfens" für dieses Jahr ermittelt hatte. Allerdings werden für diese auch eine Reihe von Spenden bewusst nicht berücksichtigt, die in den Einkommensteuerdaten enthalten sind. Dazu zählen etwa Spenden an politische Parteien und Großspenden über 2500 Euro. Insofern erhebt die "Bilanz des Helfens" auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Drittens: Reiche spenden eher als Arme - aber vergleichsweise wenig
Die Daten stützen einen Verdacht: Spenden muss man sich auch leisten können. Der Anteil der Spender steigt eindeutig mit dem Einkommen. Immerhin zweigen aber auch acht Prozent der Bürger mit einem Jahreseinkommen bis zu 15.000 Euro noch Geld für den guten Zweck ab. In der Einkommensklasse von 30.000 bis 75.000 Euro - grob also die mittlere Mittelschicht - sind es mit 35 Prozent bereits rund ein Drittel. Bei Einkommensmillionären ist Spenden Standard, lediglich zwölf Prozent tun es nicht.

Allerdings verhält es sich mit der relativen Spendenhöhe genau umgekehrt. Deutlich wird das am Medianspender einer Einkommensklasse - also demjenigen Spender genau in der Mitte: Die eine Hälfte spendet weniger, die andere Hälfte spendet mehr. In allen unteren Einkommensklassen bis 50.000 Euro spendet dieser Medianspender rund hundert Euro im Jahr, erst darüber steigt die Medianspende mit jeder Einkommensklasse deutlich an. Gemessen an ihren Möglichkeiten spenden Menschen mit wenig Einkommen also deutlich mehr als Einkommensreiche.

Anmerkung der Redaktion: Im Artikel wurde ergänzt, dass Spenden unter Umständen steuerlich in Folgejahre übertragen werden können.