Stiftung Warentest: Skurrile Untersuchungen aus 50 Jahren im Video - DER SPIEGEL
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50 Jahre Stiftung Warentest Die Verbraucher-Agenten

Undercover-Einsätze, Testlabore wie bei James Bond: Die Stiftung Warentest wird 50 und ist Deutschlands berühmteste Produktwächterin. Trotzdem hat sie es gerade schwer - warum?
Von Sara Maria Manzo und Stefan Schultz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Hamburg - Alles begann mit Stabmixern und Nähmaschinen. In der ersten Ausgabe von "Test", der Zeitschrift der Stiftung Warentest, wurden vor allem Geräte für die moderne Hausfrau auf ihre Qualität geprüft. Das Cover des Hefts empfand die deutsche Leserschaft damals als "unangemessen aufreizend". Es sei darauf zu viel vom Porzellangesicht einer jungen Dame mit Bob zu sehen und zu wenig von der Nähmaschine, klagten manche Leser.

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Heute sind solche Anekdoten längst Teil der Gründerstory von Deutschlands bekanntester Verbraucherschutzorganisation. Am Mittwoch, pünktlich zum 50. Jubiläumstag, werden sie nun von der PR-Abteilung wieder hervorgekramt. Zusammen mit Videos im Stil der Knoff-Hoff-Show  über Produkttests von damals.

Schon früh entstand der Markenkern der Stiftung Warentest. Schnell etablierte sie sich als pedantische Produktpolizei. Wie gut Stabmixer mixen, ist für einen Qualitätscheck sicher ein wichtiges Kriterium. Aber ein Test, der belegen soll, dass manche Mixer den Rundfunkempfang stören? Willkommen in Deutschland!

Doch es war nicht ihre Pedanterie, mit der sich die Stiftung Warentest die größten Feinde machte. Erst nach fast zweijähriger Debatte wurde am 4. Dezember 1964 die Gründungsurkunde unterzeichnet. Eine solche Institution sei unnötig, sagten Wirtschaftsvertreter damals. Die kaufmännische Ehre verlange ja ohnehin, dass Kunden nur einwandfreie Ware angeboten werde.

Seit ihrer Gründung hat die Stiftung Warentest nach eigenen Angaben etwa 92.500 Produkte und gut 2300 Dienstleistungen getestet. Oft griff sie dabei zu kreativen Methoden - und ebenso oft enthüllte sie erhebliche Qualitätsmängel.

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Entsprechend kritische Veröffentlichungen in ihren stets anzeigenfreien Publikationen ließen die Verkaufszahlen von Produkten und Dienstleistungen regelmäßig ins Bodenlose fallen. Daher musste die Stiftung Warentest die Genauigkeit ihrer Tests oft vor Gericht beweisen. Lange gelang das. Dann, im September 2002, musste die Stiftung eine Ausgabe ihrer Zeitschrift "Finanztest" aus dem Handel nehmen - wegen Fehlern bei der Bewertung von Riester-Rentenversicherungen.

Kürzlich stritt der Schokoladenhersteller Ritter Sport mit der Stiftung Warentest. Die Tester hatten seiner Nuss-Schokolade die Note "mangelhaft" gegeben, weil ein in ihr enthaltener Aromastoff namens Piperonal nicht "natürlich" sei. Ritter Sport zog vor Gericht - und bekam im September Recht. Die Stiftung Warentest gab eine "sprachliche Ungenauigkeit" zu. Seitdem zweifeln manche, ob die Urteile der Stiftung Warentest wirklich so zuverlässig sind, wie immer gesagt wird.

Auch finanziell mussten die Produktwächter zuletzt Schwierigkeiten meistern. 2012 schrieb die Stiftung Warentest erstmals rote Zahlen. Die Einnahmen aus dem Stiftungskapital waren wegen der niedrigen Zinsen bescheiden. Dazu leiden auch die "Test"-Hefte unter der Printkrise. Ihren Auflagenrekord hatte "Test" mit 815.000 Abonnements und 145.000 Kioskverkäufen 1991. Bis heute hat sich die Auflage etwa halbiert . Die steigenden Online-Einnahmen können diesen Niedergang nur teilweise kompensieren.

Angst um ihre Existenz muss sich die Stiftung Warentest wohl dennoch nicht machen. Als sie 2012 in Schieflage geriet, bot der Bund eine Finanzspritze an. 2013 aber schafften es die Verbraucherschützer aus eigener Kraft wieder in die Gewinnzone.