Statistisches Bundesamt Jeder Vierte arbeitet abends
Zeitungsausträger: 8,6 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten nachts
Foto: Fredrik Von Erichsen/ picture alliance / dpaAm Abend noch an den Schreibtisch, am Sonntag ins Büro - für viele Selbstständige ist das Alltag. Doch auch Festangestellte arbeiten immer häufiger abends oder am Wochenende. Jeder vierte Erwerbstätige geht seinem Job regelmäßig zwischen 18 und 23 Uhr nach, wie aus einer Studie des Statistischen Bundesamts hervorgeht. 1992 lag der Anteil noch bei lediglich 14,9 Prozent.
Der Anteil der Erwerbstätigen, die samstags arbeiten, stieg von 20 Prozent (1992) auf 26 Prozent (2014). Sonntags arbeiten demnach 14 Prozent, vor 22 Jahren war es nur jeder Zehnte. Dazu habe vermutlich auch die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten beigetragen. Bei Nachtarbeit von 23 bis 6 Uhr stieg der Anteil in diesem Zeitraum von 7,2 auf 8,6 Prozent. Während Selbstständige häufiger am Abend tätig sind als Arbeitnehmer, ist es bei Nachtarbeit umgekehrt.
Gleichzeitig arbeitet inzwischen aber auch jeder achte Vollzeit-Erwerbstätige regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche. Vor allem Selbstständige und Führungskräfte verbringen oft so viel Zeit im Job, dass ihre Arbeitszeit nach internationaler Konvention "überlang" ist, wie die Statistiker betonen: "Dabei können zu lange Arbeitszeiten belastend sein, weil nicht genügend Zeit für das Privatleben zur Verfügung steht."
Wochenarbeitszeit sinkt
Die Nacht- und Wochenendarbeit schränkt nicht nur die Zeit für private Aktivitäten ein: "Abend- und Nachtarbeit können auch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen", schreiben die Statistiker.
"Dass 90 Prozent der Beschäftigten in der Zeit zwischen 8 bis 18 Uhr arbeiten, gilt schon lange nicht mehr", sagt Reinhard Bispinck, von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Hauptursache hierfür sei der Ausbau des Dienstleistungssektors. "Randzeiten zum Beispiel am Abend im Einzelhandel müssen bedient werden", so Bispinck. Häufig würden Frauen in Teilzeit oder Minijobs diese Aufgaben übernehmen.
Im Durchschnitt kann sich die Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland aber durchaus sehen lassen. Mit 35,3 Stunden ist ihre Arbeitszeit fast zwei Stunden kürzer als der europäische Durchschnitt.
Besonders lange arbeiteten laut der Studie Menschen in der Türkei mit durchschnittlich 47,7 Stunden, während die Arbeitswoche in den Niederlanden mit 30,1 Stunden kurz ist. Hintergrund des Rückgangs in Deutschland sei allerdings, dass inzwischen 28 Prozent der Erwerbstätigen teilzeitbeschäftigt sind, merken die Statistiker an.