Tarifstreit Lokführer legen Privatbahnen lahm
Frankfurt am Main - Bahnreisende müssen jetzt wieder viel Geduld haben: Die Lokführer bei den großen Konkurrenten der Deutschen Bahn (DB) sind seit 2 Uhr an diesem Donnerstag zum Streik aufgerufen.
Der Ausstand soll 48 Stunden dauern und sich somit bis in die Nacht zum Samstag hinziehen. Betroffen sind insgesamt 20 regionale Schienenverkehrsunternehmen - darunter die großen fünf Bahn-Wettbewerber Abellio, Netinera, Benex, Veolia und Hessische Landesbahn sowie deren Töchter. Die Verbindungen des Branchenführers DB sollen ebenso verschont bleiben wie die des Wettbewerbers Keolis (Eurobahn) - mit ihm hatte es jüngst eine erste Annäherung gegeben.
Die Streibeteiligung sei hoch, sagte Frank Nachtigall, Chef der Lokführergewerkschaft GDL von Berlin-Sachsen-Brandenburg. In Nordrhein-Westfalen kam es nach GDL-Angaben auf der Strecke Dortmund-Enschede im frühen Berufsverkehr zu ersten Zugausfällen.
In der Wetterau und im Rhein-Main-Gebiet fielen nach Angaben der Hessischen Landesbahn ein Drittel der Züge aus. Damit waren die Auswirkungen des Streiks zunächst aber nicht so groß wie bei den vorangegangenen Arbeitsniederlegungen. Denn viele Beschäftigte seien dem Streikaufruf nicht gefolgt.
In den laufenden Tarifverhandlungen ist es schon das sechste Mal seit Mitte Februar, dass die kleine Gewerkschaft ihre Muskeln spielen lässt und die Züge bei den DB-Wettbewerbern lahmlegen will. Neben Einkommensverbesserungen kämpft die Lokführergewerkschaft GDL für einen bundesweiten Rahmentarifvertrag, der allen 26.000 Lokführern in Deutschland ähnliche Tarifstandards wie bei der DB sichert.
GDL-Chef Claus Weselsky forderte die Wettbewerber der DB erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Die Verschärfung des Konflikts auf dem Rücken der Lokomotivführer und die Ignoranz gegenüber den Fahrgästen ist keine erfolgreiche Strategie zur Beseitigung des Tarifkonflikts", sagte er laut Mitteilung vom Mittwoch. Für neue Gespräche müssten die Arbeitgeber jedoch zunächst "substanzielle Angebote" präsentieren.
Die Tarifgespräche mit dem staatseigenen Konzern DB laufen an diesem Freitag weiter - dort scheint inzwischen nach 14 Verhandlungsrunden eine Einigung in greifbarer Nähe zu sein.