Umfrage Verbraucher zweifeln an Finanzprodukten und Lebensmitteln
Lebensmittel im Kühlregal (Archiv): Käufer sind zunehmend misstrauisch
Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpaBerlin - Mehr und mehr Verbraucher in Deutschland verlieren das Vertrauen in den Markt - vor allem wenn es um Finanzdienstleistungen oder Lebensmittel geht. In einer Umfrage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) äußerten fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten die Befürchtung, dass es im Finanzbereich Produkte und Anbieter gibt, die sie täuschen wollen. Bei Lebensmitteln liegt die Quote bei 62 Prozent.
Nur 43 Prozent vertrauen darauf, dass die Wirtschaft mangelhafte Produkte aussortiert. Dem Staat trauen dies nur 34 Prozent der Befragten zu. Nach den Ergebnissen der repräsentativen Befragung des Infas-Instituts konstatieren die Verbraucherschützer deshalb eine Vertrauenskrise der Verbraucher in den Markt.
Trotz dieser negativen Einstellung gehen viele Verbraucher beim Kauf von Finanzprodukten offenbar subjektiv vor. Nur jeder dritte Kunde setzt sich der Studie zufolge intensiv mit seiner Entscheidung auseinander. Hier wird auf den Ruf des Anbieters oder den ersten Eindruck gebaut - etwa bei der Wahl einer Bank. Ethische Aspekte oder Prüfsiegel spielten eine geringere Rolle.
Verbraucherschützer fordern Frühwarnsystem
Bei ihrer Kaufentscheidung achteten die Deutschen neben dem Preis vor allem auf Herstellerinformationen, heißt es in der Studie weiter. Und das auch, wenn ihnen diese Informationen oft nicht ausreichten. 92 Prozent der Käufer wünschen sich mehr Marktkontrollen durch unabhängige Einrichtungen.
Der Chef der vzbv, Gerd Billen, spricht von einer erheblichen Verunsicherung der Kunden. Er fordert, Staat und Wirtschaft müssten gegensteuern und eine Art Frühwarnsystem installieren. "Sie müssen Verbraucherinteressen ernst nehmen und für mehr Klarheit im Markt sorgen", sagte Billen bei der Vorstellung des Berichts. Fehlentwicklungen am Markt müssten schneller festgestellt und Verbraucher geschützt werden, bevor Schaden entstehe.
Drei Monate vor der Bundestagswahl fühlten sich viele Verbraucher nicht von den Parteien abgeholt. Laut Umfrage denkt jeder vierte Wähler, dass sich keine Partei besonders für Verbraucher einsetzt - und wenn, dann am ehesten noch die Grünen. Fast ein Drittel der Befragten wusste auf die Frage keine Antwort.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte ein, das Vertrauen der Verbraucher habe durch die Finanzkrise und Lebensmittelskandale gelitten. "Wir müssen Leitplanken setzen", sagte sie beim Deutschen Verbrauchertag in Berlin. Dies habe die Bundesregierung auf vielen Feldern auch schon getan. Bei allen Gesetzen binde die Bundesregierung die Verbraucherzentralen mit ein. "Die Zeit der Katzentische für Verbraucherschützer ist vorbei", versprach Merkel und verwies auf regelmäßige Treffen im Kanzleramt.