Verbraucherschutz: Deutsche wünschen staatliche Regeln - DER SPIEGEL
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Umfrage Verbraucherschutz genießt Vertrauen wie noch nie

Viele Deutsche verlassen sich beim Verbraucherschutz auf Europa und sprechen sich klar für staatliche Kontrolle aus. Generell fühlen sie sich besser geschützt als vor Jahren. Einige Branchen fallen jedoch negativ auf.
Lebensmittel: Wunsch nach mehr Schutz
Lebensmittel: Wunsch nach mehr Schutz

Lebensmittel: Wunsch nach mehr Schutz

Foto: AP
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Angesichts der wachsenden Europaskepsis stellen Bürger in Deutschland dem Schutz der Verbraucher durch die EU ein relativ gutes Zeugnis aus. In einer Untersuchung  des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung favorisieren 44 Prozent der Befragten einen auf europäischer Ebene geregelten Verbraucherschutz, dagegen sehen 39 Prozent diesen lieber in nationaler Verantwortung.

In ein positives Licht dürfte Europa auch rücken, dass sich die Deutschen generell zunehmend besser geschützt fühlen - erheblich besser als zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts und auch im Vergleich zu vergangenen Jahren. Eine Trendanalyse zeigt: 2001 fühlten sich lediglich 33 Prozent der Verbraucher gut geschützt, 2008 bereits 55 Prozent. Heute sind es 59 Prozent - allerdings fühlen sich nur fünf Prozent davon sehr gut abgesichert.

Neue Gesetze zum Verbraucherschutz wie die Mietpreisbremse oder der Kleinanlegerschutz fördern demnach das gute Gefühl - offenbar unabhängig von ihrer Wirkung. Sie werden sehr begrüßt und verstärken die positive Sicht auf die Arbeit etwa der Verbraucherzentralen, der Stiftung Warentest und Behörden wie dem Bundeskartellamt und dem Bundesamt für Verbraucherschutz. Dadurch werden die Kritiker weniger: Der Anteil der Unzufriedenen mit dem Verbraucherschutz hat sich innerhalb von 14 Jahren von 62 auf 30 Prozent gut halbiert.

Aktuelle Missstände oder Skandale wirken allerdings sofort auf das Meinungsklima, wie etwa das sehr kritische Urteil aus dem Jahr 2001 zeigt, in dem die BSE-Krise ihren Höhepunkt erreicht hatte. Im Zuge dessen war das Thema Verbraucherschutz erst in der Politik deutlich aufgewertet worden - und das damalige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zum Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.

Überdurchschnittlich oft fallen besonders einige Branchen negativ bei Verbrauchern auf. Sehr schlecht empfinden Deutsche den Schutz etwa bei Versicherungen, den 34 Prozent beklagen.

Ihre Interessen wünschen sich die Befragten besonders auch bei Finanzdienstleistungen besser gewahrt, bei Telekommunikation, Lebensmitteln und Energieversorgung. Dagegen schneidet die zu früheren Zeiten oft bemängelte Post besser ab als alle anderen: Nur acht Prozent der Deutschen wünschen sich hier mehr Verbraucherschutz.

Verbraucher wünschen staatlichen Schutz

Interessant ist das Selbstverständnis, das die Verbraucher in der Studie äußern. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag  von dem bisher vorherrschenden Bild des eigenverantwortlich handelnden, aufgeklärten Verbrauchers entfernt: "Wo Verbraucher sich nicht selbst schützen können oder überfordert sind, muss der Staat Schutz und Vorsorge bieten" - eine nicht ganz unumstrittene Formulierung, die von einigen als Bevormundung kritisiert wurde. Tatsächlich scheint das dem Wunsch vieler Bürger zu entsprechen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellte den Befragten zwei Meinungen zur Auswahl vor. Erstens: "Mich stört es, wenn unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes versucht wird, den Verbrauchern möglichst viel vorzuschreiben und gesetzlich zu regeln, z.B. Verpackungsgrößen oder Werbeverbote. Ich möchte als Verbraucher nicht bevormundet werden, sondern selbst entscheiden, was ich kaufen oder machen möchte."

Zweitens: "Das sehe ich anders. Ich finde es richtig, wenn die Politik vieles regelt, was man als Verbraucher nur schwer selbst einschätzen kann, wie z.B. die Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln. Damit hilft die Politik, die Menschen vor Risiken zu schützen."

Das Ergebnis: Insgesamt sprachen sich zwei Drittel für staatlichen Schutz aus, nur 22 Prozent empfanden das als Bevormundung. Diese Haltung findet sich bei Anhängern aller politischen Parteien, lediglich bei der FDP sprachen sich 35 Prozent für den "mündigen Verbraucher" aus - aber immer noch 59 Prozent für die Regelung durch die Politik.

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