Luftfahrt Sichere Sache
»Man hängt«, klagte einst Lufthansa-Vorstandschef Herbert Culmann, »von so vielen äußeren Faktoren ab, daß für die eigene Tüchtigkeit kaum Spielraum bleibt.«
Ein äußerer Faktor, das knappe und teure Öl, könnte dem Manager jetzt unverhofft Luft schaffen. Wegen der Ölkrise dulden Amerikas Kartellwächter, daß die großen US-Gewerkschaften sich untereinander und mit der ausländischen Konkurrenz zu einem Kartell zusammenschließen. das den harten Konkurrenzkampf aussetzt. Ab 1. April werden TWA, Pan Am und Lufthansa auf der Paradestrecke über dem Nordatlantik von Frankfurt nach New York im Kartellverband fliegen und so für eine rentable Auslastung ihrer Jets sorgen.
Hoben bislang täglich für jede der drei Gesellschaften jeweils zwei Jumbos ab, soll in Zukunft nur noch ein LH-, TWA- oder Pan Am-Flug mit einer Boeing 747 starten.
Die Absprache (Culmann: »Die Sache ist zwar noch nicht unterzeichnet, wird aber sicher kommen") scheint den Luftmanagern der einzige Ausweg aus eigenen Fehlkalkulationen.
Noch vor fünf Jahren war der Nordatlantik für die rund 20 auf dieser Route jettenden Liniengesellschaften »die Strecke mit dem höchsten Gewinn« (Culmann). So alimentierte die Lufthansa jahrelang ihren Inlandverkehr mit den Überschüssen aus dem Nordamerika-Geschäft.
Doch seit Anfang dieses Jahrzehnts wurde das Geschäft über dem Atlantik immer härter, die Flugzeuge immer größer. Jumbos und auch die DC-10 (260 Plätze) tauchen in immer größerer Zahl über dem Nordatlantik auf, das Angebot an Sitzplätzen wächst überproportional zur Nachfrage -- die Riesenjets pendeln im Schnitt kaum mehr zur Hälfte gefüllt zwischen altem und neuem Kontinent. Ein ständig steigendes Angebot von Linienflügen und eine Vielzahl von Chartergesellschaften, die häufig den großen Gesellschaften gehörten, sorgten dafür, daß mancher Jumbo sich mit drei oder vier Dutzend Passagieren auf den Weg machte. Immer neue Sonderpreise sorgten dafür, daß es kaum teurer war nach New York zu fliegen als etwa von Hamburg nach München. Klagt die Lufthansa: »Nur etwa ein Fünftel unserer Nordatlantik-Passagiere zahlt den vollen Preis, alle anderen nehmen verbilligte Sondertarife in Anspruch.
So braucht die Lufthansa in schlechten Jahren ihre Gewinne von den Inlands- und Europarouten, um die Verluste des Amerika-Geschäfts wettzumachen.
»Der Nordatlantik ist ein Desaster«, klagte Culmann, »jedes Jahr werden Hunderte Millionen Dollar verloren. Diese Verluste soll das Kartell der Lufthanseaten mit den Kollegen von TWA und Pan Am nun ausbügeln.
Wie heilsam sich in einem System fester Preise zusätzliche Kapazitätsabsprachen auswirken, wissen Europas Luftfahrtmanager schon länger. »Wir treffen regelmäßig zusammen und arbeiten gemeinsam Pläne aus« (Culman). Ergebnis: In Europa sind die Flugzeuge heute häufig besser ausgelastet, als es den Passagieren lieb ist -- auf wichtigen Strecken, wie zum Beispiel London -- Frankfurt, gibt es kurzfristig oft keine Plätze mehr.