Siegfrieds Provision - DER SPIEGEL
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Unternehmen Siegfrieds Provision

Neuer Ärger bei Giesecke & Devrient: Zahlreiche Manager sind in den Skandal um die Tarnfirma Security Printing verwickelt.
• aus DER SPIEGEL 50/1995
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jetzt beginnt das Aufräumen«, schlagzeilte Bild. »Konsequenzen bei Giesecke & Devrient«, meldete die Frankfurter Börsenzeitung am vergangenen Dienstag.

Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Michael Endres war''s zufrieden. Wochenlang hatte ihm sein Nebenjob als Aufsichtsratschef der Geldnotendruckerei Giesecke & Devrient nichts als Ärger eingebracht.

Über die Schweizer Briefkastenfirma Security Printing (SP) hatte Firmeninhaber Siegfried Otto jahrzehntelang Millionen an Fiskus und Familie vorbeigeschleust. Am vorvergangenen Samstag morgen, bei einer Krisensitzung in München, griff Endres durch.

Der Deutsch-Banker konnte den durch mehrere Schlaganfälle gezeichneten Hauptgesellschafter des Druckhauses zum Aufgeben bewegen. Treuhänder sollen nun die Otto-Anteile im Aufsichtsrat vertreten. Endres sieht die »Trennung von Kapital und Management« vollzogen.

Auch die Geschäftsführung verbreitete Aufbruchstimmung: »Es kann jetzt nach außen klarwerden«, freute sich Geschäftsführer Manfred Beck, 60, gegenüber dem Handelsblatt, »daß die Probleme unseres Hauptgesellschafters von der Firma zu trennen sind.«

Beck weiß es besser. Dem Oberaufseher Endres steht neuer Ärger ins Haus. Denn der Geschäftsführer, seit 40 Jahren im Unternehmen, ist in die heimlichen Geschäfte der Schweizer Tarnfirma verwickelt: Er wußte von Anfang an um die engen Beziehungen zwischen SP und dem Münchner Druckhaus.

Der G&D-Geschäftsführer saß bis 1977 auch im Verwaltungsrat der Security Printing Aktiengesellschaft. An der Schweizer Firma, die Banknotenpapier aus der G&D-Produktion weltweit vermarktete, war das Münchner Mutterhaus vom Dezember 1970 bis Anfang 1977 beteiligt.

Dann wurden die Aktien verkauft. An wen, will Beck nicht gewußt haben. Erst 1993 habe er erfahren, daß die Anteile auf verschlungenem Wege an Siegfried Otto übergingen. Für Giesecke & Devrient, beteuerte Beck vorvergangene Woche gegenüber dem SPIEGEL, sei die Security Printing seit den siebziger Jahren ein fremdes Unternehmen gewesen, mit dem man »normale Handelsgeschäfte« abgewickelt habe.

Doch so normal waren die Geschäftsbeziehungen nicht. Ausgerechnet Beck saß in den achtziger Jahren auf beiden Seiten des Schreibtisches: Er war G&D-Geschäftsführer in München, zuständig für das Exportgeschäft, und zugleich für die Schweizer Gesellschaft aktiv. Der Mann hat offenbar Geschäfte mit sich selbst gemacht.

Eine dem SPIEGEL vorliegende Visitenkarte weist Beck als »General Executive«, also als Generalbevollmächtigten, der Security Printing aus. Die Karte hat Beck Ende der achtziger Jahre drucken lassen. Die angegebene Fax-Nummer (01) 221 29 66 wurde erstmals 1987 ins Schweizer Fax-Verzeichnis eingetragen.

Beck mischte auch im Alltagsgeschäft der Security Printing (Firmenspott: Siegfrieds Provision) kräftig mit. Ohne den Otto-Vertrauten, so scheint es heute, lief in Zürich nicht viel.

Auf einem Briefbogen der Schweizer Firma schrieb der Münchner Manager mit Datum vom 31. März 1989 an die südafrikanische Gesellschaft Nampak Ltd. Mit dem Schreiben bereitete Beck die Gründung eines Joint-ventures von Nampak und Security Printing vor.

Der Deal kam zustande, das wenig später gegründete Gemeinschaftsunternehmen heißt Multi Security Technology. Die Firma importiert Banknotenpapier aus Deutschland und stellt Telefonkarten für den südafrikanischen Markt her. Seit die Tarnfirma in Zürich aufflog, gehört das Joint-venture auch offiziell zu Giesecke & Devrient.

Beck räumte am Freitag vergangener Woche ein, daß er für SP »in wichtigen Fragen beratend tätig« war, allerdings »ohne im Unternehmen angestellt gewesen zu sein«. Für seine Arbeit in der angeblich fremden Firma habe er »auch Visitenkarten« benötigt.

Der umtriebige Manager war nicht der einzige G&D-Mann, der im Auftrag der offiziell selbständigen Schweizer Tarnfirma auftrat. Auch der designierte Finanzvorstand der Druckerei, Hans-Christoph von Mitschke-Collande, war in den Jahren 1982 bis 1987 für SP aktiv.

Bei Kundengesprächen trat er als Mann der Security Printing auf. »Namens _(* Mit Ehefrau Ursula Burda. )

und im Auftrag der SP«, räumt Giesecke & Devrient nun ein, habe der Top-Mann »Hilfestellung in technischen und kommerziellen Fragen« geleistet.

So findet sich die Paraphe CMC, die für Hans-Christoph Mitschke-Collande steht, auch unter einem Vertrag zwischen Security Printing und der Banco de Espana. Mitschke-Collande war »zu keiner Zeit zeichnungsberechtigt«, habe allerdings bei Verträgen der SP »die Richtigkeit technischer Einzelheiten geprüft und mit einer Paraphe versehen«, bestätigt er nun.

Auch Vertriebsleiter Hans-Wolfgang Kunz, der demnächst in den Vorstand aufrücken soll, wurde bei Kundengesprächen der SP gesichtet. Er habe dort, gesteht die Firma heute ein, »verschiedentlich technische Hilfestellung« geleistet.

Selbst Aufsichtsratsmitglied Klaus Frank, ein Otto-Vertrauter, der in der Beckschen Exportabteilung groß geworden ist, kann so ahnungslos nicht gewesen sein. Er hat als SP-Berater bei der Errichtung und Modernisierung von Banknotenfabriken mitgewirkt, wie die Firma nun zugibt.

Für Endres sind diese Querverbindungen höchst unerfreulich. Alle Beteiligten sollten auf der nächsten Aufsichtsratssitzung in ihren Ämtern bestätigt oder sogar befördert werden. Der personelle Neuanfang entpuppt sich nun als Aufgebot an Altlasten. Nur die Mitgeschäftsführer Jürgen K. Nehls und Alois Kleinle wußten offenbar von den Doppelfunktionen ihrer Kollegen nichts.

Endres fühlt sich von den Otto-Männern getäuscht. Als erste Zweifel an der Selbständigkeit der Security Printing auftauchten, hielten die Beteiligten stille. Sie ließen Endres über ihre Doppelfunktionen im unklaren.

Es war Jutta Otto-Devrient, die Ex-Gattin des Firmeninhabers, die im Aufsichtsrat am 26. November 1992 erstmals kritische Fragen zu den Geschäftsbeziehungen mit der dubiosen Schweizer Firma stellte. Ausgerechnet der unbeteiligte Finanzvorstand Reinhard Weißgerber und der ahnungslose Wirtschaftsprüfer Goebel mußten zum Thema Security Printing referieren.

Mit Enthüllungen konnten die beiden nicht aufwarten. Sie vertrauten auf die von Otto schriftlich vorgelegte Erklärung, daß ihm die Firma in der Schweiz nicht gehöre.

Die Zusammenarbeit der beiden Firmen, heißt es im Protokoll der Sitzung, sei ständig »hinsichtlich Preisen und Eigentumsverhältnissen« überprüft worden und habe zu »keinerlei Beanstandungen« geführt. Nachdem »die Geschäftsbeziehung mit solcher Genauigkeit dargestellt« wurde, sah der Aufsichtsrat »keine Veranlassung, die Beziehung nochmals durch einen anderen Prüfer untersuchen zu lassen«.

Von dem trickreichen Doppelspiel der führenden Druckerei-Manager war in der Sitzung nicht die Rede. Der Otto-Vertraute Beck saß dabei - und schwieg. Y

Ohne den Vertrauten von Otto lief in Zürich nicht viel

* Mit Ehefrau Ursula Burda.

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