Siemens: Abgang eines gescheiterten Prinzen - DER SPIEGEL
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Siemens Abgang eines gescheiterten Prinzen

Er galt als Hoffnungsträger, wurde sogar mal als künftiger Konzernchef gehandelt – doch das ist Jahre her. In der letzten Zeit war Thomas Ganswindt für just jene Bereiche bei Siemens verantwortlich, die nicht liefen: Telekommunikation, IT. Nun gibt er sein Amt auf und geht nach Luxemburg.
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München - Als Thomas Ganswindt und Klaus-Christian Kleinfeld 2002 in den erweiterten Konzernvorstand bei Siemens   aufrückten – da entbrannten sofort wilde Spekulationen. "Was für eine Karriere!", schrieb die "Financial Times Deutschland" bewundernd über Ganswindt. Kleinfeld wiederum sei ein Mann mit viel internationaler Erfahrung und Sanierungstalent. Einer der beiden, so hieß es schon damals, könnte irgendwann Nachfolger Heinrich von Pierers werden - und zum Chef des Gesamtkonzerns aufsteigen.

So kam es auch.

Doch die Wahl fiel im Jahr 2004, für viele überraschend, auf Kleinfeld, nicht auch Ganswindt. Letzter verlässt nun den Konzern – auf eigenen Wunsch, wie es aus der Siemens-Zentrale heißt.

Ganswindt, inzwischen 46, war seit seiner Beförderung 2002 im Zentralvorstand für das Arbeitsgebiet Information & Communications (I&C) zuständig. Zu I&C zählen die beiden Verlustbringer des Konzerns: die IT-Sparte SBS sowie der Telekommunikationsbereich Com.

Das Com-Segment wird Ende des Jahres aufgelöst – eine Entscheidung, die Kleinfeld durchgesetzt hat, auch gegen Widerstand im Konzern. Siemens bringt sein Geschäft mit Telefonnetzen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der finnischen Nokia ein, kleinere Geschäftsfelder wurden anderen Geschäftsfeldern angegliedert. Der Rest steht zum Verkauf.

Über ein Ausscheiden Ganswindts wurde denn auch seit dem angekündigten Ende von Com spekuliert: Sein einstiger Rivale Kleinfeld hatte ihm quasi den Zuständigkeitsbereit entzogen. Ein längerer Zeit im Raum stehender Verkauf von SBS hatte den Gerüchten noch Auftrieb gegeben. Zwischenzeitlich hat sich Siemens aber laut "manager magazin" entschieden, bis auf weiteres an der IT-Sparte festzuhalten.

Schneller Aufstieg in die Sackgasse

Ganswindt wird nun an die Spitze der luxemburgischen Elster Group wechseln – das Unternehmen war früher unter dem Namen Ruhrgas Industries bekannt. Seine Nachfolge bei Siemens ist offenbar noch ungeklärt. "Über die Zuständigkeitenverteilung wird der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung entscheiden", sagte ein Konzernsprecher. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat Ganswindts Posten ganz auflösen wird.

Der 1960 in Oberhausen geborene Maschinenbauingenieur Ganswindt kam Anfang 1989 zu Siemens, wo er in der Automatisierungstechnik seine Karriere startete. Während seiner Zeit im Bereich Verkehrstechnik erwarb er sich einen Ruf als harter Sanierer. Im Dezember 1999 stieg er zunächst in den Bereichsvorstand auf und wirkte laut Siemens "entscheidend am Turnaround des Geschäftes" mit. Sein Vertrag wäre erst im September 2007 ausgelaufen.

Die Elster Group, deren Leitung Ganswindt übernimmt, ist den Angaben zufolge der weltweit führende Hersteller von Messtechnik für die Gas-, Elektro- und Wasserversorgungsindustrie. Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg hat mehr als 9000 Mitarbeiter in 37 Ländern.

itz/Reuters/dpa/ddp/AP