Siemens-Affäre Top-Manager packt aus
München - Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat mit dem ehemaligen Finanzvorstand der Sparte Telekommunikation (Com), Michael Kutschenreuter, jetzt auch der erste Top-Manager ausgepackt. "Herr Kutschenreuter sagt umfassend aus", sagten die Anwälte des Managers der Zeitung. Kutschenreuter ist der einzige Topmanager, der bislang in Untersuchungshaft sitzt.
Die sechs Beschuldigten hätten zugegeben, schwarze Kassen in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich installiert oder ermöglicht zu haben, heißt es in dem Bericht. Auf geheimen Konten in diesen Ländern seien mindestens 200 Millionen Euro versteckt worden. Mehrere der sechs Beschuldigten hätten zudem eingeräumt, aus den schwarzen Kassen sei Schmiergeld in mehr als zehn Länder in Europa, Asien, Afrika und Mittelamerika geflossen. Auf diese Weise seien wertvolle Informationen und lukrative Aufträge gekauft worden.
Wegen der Schwarzgeld-Affäre fürchtet Siemens jetzt offenbar, die Abschlüsse vergangener Jahre korrigieren zu müssen. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, könnte der Konzern einen Teil der vermeintlichen 200 Millionen Euro Schmiergeld unzulässigerweise von der Steuer abgesetzt und dem Fiskus zu wenig überwiesen haben. Sollte dies der Fall sein, drohe Gefahr von der US-Börsenaufsicht SEC. Sie könne Geldstrafen verhängen, die in New York gelistete Aktie aus dem Handel nehmen und Vorstände vor Gericht laden.
Der SPIEGEL berichtet, dass nicht nur der Konzernführung eine Bestrafung der SEC drohe. Auch die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG fürchte offenbar, ins Visier der US-Kontrolleure zu geraten. Deutlich werde dies an der verzögerten Erstellung des neuesten Siemens-Jahresabschlusses. Aufsichträte vermuten laut "Spiegel", dass den Bilanzexperten unter anderem die Verbuchung dubioser Beraterverträge in der Kommunikationssparte Probleme bereitete, über die rund 200 Millionen Euro illegal aus dem Unternehmen geschleust worden sein sollen.
tim/ddp