Siemens-Aufsichtsrat: Börse feiert Pierer-Rücktrittsparty - DER SPIEGEL
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Siemens-Aufsichtsrat Börse feiert Pierer-Rücktrittsparty

Die Börse bejubelt den Abgang von Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. Die Aktie legt um rund vier Prozent zu - der Geschasste beklagt sich unterdessen über "unfaire Behandlung".
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Hamburg/München - Am Vormittag kletterte der Kurs der Siemens-Aktie um 3,8 Prozent auf 90,05 Euro. Offenbar setzt die Börse darauf, dass der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld durch von Pierers Rücktritt mehr Handlungsspielraum beim Konzernumbau erhält. Aufwind bekam die Aktie außerdem durch einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", nach dem Siemens trotz der Schmiergeldaffäre seine ehrgeizigen Gewinnziele im abgelaufenen Quartal erreicht. Siemens äußerte sich bisher nicht zu dem Bericht.

Der frühere Siemens  -Chef hatte am späten Donnerstagabend seinen Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz angekündigt und damit die Konsequenzen aus verschiedenen Korruptionsaffären bei dem Konzern gezogen. Eine Mitschuld daran wies er weiter von sich: "Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung". Sein Nachfolger soll ThyssenKrupp  -Aufsichtsrats-Chef Gerhard Cromme werden.

Aktionärsschützer begrüßen den Rücktritt von Pierers. "Das ist der richtige Schritt. Das nimmt jetzt viel Feuer aus dem Geschehen", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Für von Pierer sei die Entwicklung zwar tragisch. "Das darf jetzt nicht dazu führen, dass man ihn vorverurteilt." Es sei aber höchste Zeit gewesen, dass er die politische Verantwortung übernimmt.

Auch der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer hat den Rücktritt als überfällig begrüßt: "Es geht ja nicht nur um die Frage der persönlichen Verantwortung, sondern auch um eine moralische Verantwortung", sagte Neugebauer dem Hessischen Rundfunk. "Das drückt auf die Motivation, da entstehen ja auch Schäden für das Unternehmen selber, und ich bin sehr froh, dass Herr von Pierer hier persönlich die Konsequenz gezogen hat."

Zu von Pierers Beteuerungen, er habe von den Schmiergeldern bei Siemens nichts gewusst, sagte Neugebauer: "Das nicht zu wissen, glaubt vielleicht jemand, der sich bei Siemens nicht auskennt - ich glaube es nicht." Die Siemens-Mitarbeiter seien die Negativ-Schlagzeilen über ihr Unternehmen leid. Es gehe nicht darum, wer im Siemens-Aufsichtsrat das Sagen habe, sondern darum, dass der Konzern wieder in ruhiges Fahrwasser komme.

"Ich glaube nicht, dass Pierer von nichts wusste"

Von Pierer beklagte sich unterdessen über die unfaire Behandlung durch Medien und Behörden. "Betroffen machen mich (…) die pauschalen Vorverurteilungen in der Öffentlichkeit, die oftmals ohne Rücksicht auf die Faktenlage erfolgen, und das Vorgehen einzelner Behörden gegenüber verdienten Mitgliedern unseres Hauses. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel scheint mir dabei zuweilen in Frage gestellt", erklärte von Pierer heute in einem Abschiedsschreiben an die Mitarbeiter, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Außerdem bedankt sich von Pierer in dem Schreiben für die Unterstützung "in alle den Jahren, die Sie dem Unternehmen und auch mir persönlich gewährt haben".

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld und der stellvertretende Vorsitzende des Siemens-Aufsichtsrats, Deutsche Bank  -Chef Josef Ackermann haben von Pierer für seine Arbeit gedankt. "Ich habe mit Heinrich von Pierer immer Rechtschaffenheit und Vorbildlichkeit verbunden", sagte Kleinfeld laut einer Pressemitteilung. "Das war so, und das gilt gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten." Das ganze Unternehmen sei ihm zu Dank verpflichtet. Ackermann sagte, er habe den Rücktritt von Pierer "mit großem Bedauern und Respekt" zur Kenntnis genommen. "Er hat Siemens über Jahrzehnte hinweg mit all seiner Kraft gedient und in der bedrohlichen Phase der einsetzenden Deregulierung und Globalisierung zu einem globalen Spitzenunternehmen geformt", sagte Ackermann. "Seine persönliche Integrität steht außer Zweifel."

Auch der designierte von Pierer-Nachfolger Gerhard Cromme erklärte, von Pierer habe die Interessen des Unternehmens über seine eigenen gestellt. "Hierfür spreche ich ihm höchste Anerkennung aus."

sam/dpa/AFP/Reuters/AP