Siemens In New York behauptet
New York - Pünktlich um 15.30 Uhr läutete Vorstandschef Heinrich von Pierer die Börsenglocke. Der erste festgestellte Kurs lag beim Ausgabepreis von 112,25 Dollar. Zugleich eröffnete der Dow-Jones-Index 0,73 Prozent schwächer bei 10.567,08 Dollar. Der Nasdaq fiel erstmals unter die Marke von 2000 Zählern.
Für ein Unternehmen mit 460.000 Mitarbeitern in über 190 Ländern sei es schon fast eine Pflicht, am weltweit wichtigsten Börsenplatz vertreten zu sein, sagte eine Konzernsprecherin. Das US-Listing ist aus mehreren Gründen wichtig. Siemens will bekannter werden und sein US-Geschäft anschieben. Erstmals sollen in diesem Jahr auch Mobiltelefone in Nordamerika verkauft werden. Für die Handy-Marke ist schon eine größere Werbekampagne geplant.
"Unsere US-Aktivitäten sollen ein Juwel werden", sagte von Pierer am Montag in New York. So soll der US-Umsatz im laufenden Jahr um 19 Prozent auf mindestens 20 Milliarden Dollar steigen. In den kommenden zwei Jahren werde der Umsatz dann allein durch internes Wachstum auf rund 25 Milliarden Dollar klettern. Der Vorstandschef schloss auch größere Übernahmen nicht aus. Sollten bei bestimmten Sparten Ergänzungen fehlen, seien kleinere Akquisitionen angebracht. In anderen Bereichen könnten aber größere Übernahmen notwendig sein.
Durch das US-Listing gewinnt Siemens eine Akquisitionswährung für Übernahmen. Siemens sieht sich trotz der erwarteten Abschwächung der US-Konjunktur gut gerüstet. "Es ist keine Frage, dass wir den Gürtel in einigen Geschäften enger schnallen müssen, aber insgesamt wird das wieder ein gutes Jahr für Siemens in den USA", sagte Vorstandsmitglied Peter Privilla. Im vergangenen Jahr hatte Siemens in den USA wegen der Übernahme von Shared Medical Systems noch rote Zahlen geschrieben.
An der US-Börse werden so genannte ADR-Zertifikate (American Depository Receipts) gehandelt. Ein ADR entspricht einer Siemens-Aktie. Die Abwicklung über diese Hinterlegungsscheine gilt als einfacher als mit globalen Aktien, auf die zum Beispiel DaimlerChrysler und Celanese setzen.
Der deutsch-amerikanische Autokonzern ist seit November 1998 an der New Yorker Börse gelistet. Nach einem euphorischen Start von annähernd 85 Dollar und einem Höchststand von fast 110 Dollar im Januar 1999 ging es mit der Aktie stetig bergab. Daran konnte auch eine kurze Verschnaufpause im Mai 1999 nichts ändern. Im Jahr 2000 ging die Talfahrt weiter: Das Papier erreichte im November 2000 einen Tiefststand von 35 Dollar. Seit Anfang dieses Jahres erholt sich das Wertpapier und notiert inzwischen wieder bei über 52 Dollar.
Nicht ganz so große Kurssprünge gab es bei Celanese, in dem die ehemalige Hoechst-Chemiesparte gebündelt ist. Das Kronberger Unternehmen war im November 1999 an der US-Börse mit gut 16 Dollar gestartet. Der bisherige Spitzenkurs betrug im Februar 2000 über 24 Dollar, dann bewegte sich der Kurs auf und ab. Im August 2000 war mit unter 15 Dollar die bisherige Talsohle erreicht. Zum Jahreswechsel 2000/2001 kam neuer Schwung in den Kurs. Nachdem das Papier auf bis zu 20 Dollar geklettert war, ging es aber wieder bergab. Jüngst pendelte sich der Kurs wieder bei über 18 Dollar ein.