Siemens-Korruptionsaffäre Zeuge belastet Kleinfeld und Pierer
Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld und sein Vorgänger Heinrich von Pierer wussten angeblich von Bestechungsgeldern im Siemens-Konzern. Der unter Bestechungsverdacht stehende Ex-Siemens-Manager Michael Kutschenreuter soll Kleinfeld und Pierer zumindest in einem Fall über einen Bestechungsfall in Saudi-Arabien informiert haben, berichtet das "Wall Street Journal". Die Zeitung beruft sich auf Zeugenaussagen und andere juristische Unterlagen, in die sie Einsicht hatte.
In den Papieren wird der Münchener Dax-Konzern dem Bericht zufolge als Unternehmen dargestellt, in dem Bestechungen an der Tagesordnung und umfassend organisiert waren. Siemens-Managern werde ein hektisches Bemühen unterstellt, die Bestechungsversuche zu verschleiern, um einer Entdeckung durch die Justiz zu entgehen.
Kutschenreuter führt dem Blatt zufolge in seiner Aussage aus, dass er Anfang 2004 einen Telefonanruf von einem Repräsentanten der saudischen Beratungsfirma Beit Al Etisallat erhielt. Dieser habe 910 Millionen US-Dollar (damals rund 737 Millionen Euro) an Schweigegeld gefordert, ansonsten würde die US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen erhalten, die Bestechungen für Telekommunikationsaufträge in Saudi-Arabien belegten.
Daraufhin habe Kutschenreuter seine Vorgesetzten, darunter Kleinfeld und von Pierer, über den Vorgang informiert. Mit Einwilligung des Siemens-Managements sei dann im Januar 2005 eine Einigung mit Beit Al Etisallat erzielt worden. Das Beratungsunternehmen soll 17 Millionen Dollar an ausstehenden Zahlungen und 33 Millionen Dollar als Schweigegeld erhalten haben.
Kleinfeld und von Pierer sagten der Zeitung, es habe sich um Schadenersatzzahlungen gehandelt. Auch habe Kutschenreuter nie von Schweigegeld gesprochen. Kleinfeld sagte auf der Hauptversammlung vergangene Woche, er sei zunächst "geschockt" gewesen, als er von den Korruptionsvorwürfen hörte.
kaz/ddp