Siemens Kursverluste trotz Rekordgewinn
München - Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat bekräftigt, dass sich der Konzern komplett von seinen Anteilen an dem Chiphersteller Infineon trennen will. In welchen Schritten die Beteiligung reduziert werde, werde flexibel entschieden, sagte Pierer laut Manuskript am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in München.
Die Loslösung solle möglichst schonend für die Aktienmärkte erfolgen. Derzeit hält der Konzern noch 71 Prozent an dem Halbleiter-Spezialisten. Angesichts des bevorstehenden Rückzugs will Siemens sein operatives Geschäft künftig ohne Infineon ausweisen und die Tochter getrennt darstellen.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Siemens seinen Gewinn um 80 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gesteigert, mit den Erlösen aus den Börsengängen von Epcos und Infineon sogar auf 7,9 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte auf 78,4 Milliarden Euro.
Siemens betrachtet den Rekordgewinn des Jahres 2000 nur als Zwischenstation. Oberstes Ziel sei eine weitere deutliche Stärkung der Ertragskraft, sagte Pierer. Für 2001 kündigte er ein zweistelliges Umsatzwachstum und eine Gewinnsteigerung deutlich oberhalb des Umsatzwachstums an. Der Gewinnanteil vor Steuern und Zinsen am Umsatz - die so genannte Ebit-Marge - soll in den nächsten Jahren jährlich um 20 Prozent steigen. Um dies zu erreichen, präsentierte Pierer ein neues Aktionsprogramm.
Siemens werde sich nicht auf seinen Erfolgen ausruhen, betonte Pierer. Nachdem alle Geschäftsbereiche schwarze Zahlen schreiben, würden nun die darunter liegenden Einheiten durchforstet und "Schwachstellen konsequent bereinigt". Als Beispiel nannte der Konzernchef Teile der Automatisierungs- und Antriebstechnik, wo es Überkapazitäten und klaren Restrukturierungsbedarf gebe. "Ein Ziel steht über allem: die Stärkung der Ertragskraft", sagte Pierer.
Zur Optimierung des Portfolios halte sich Siemens alle Möglichkeiten offen - von Zukäufen über Partnerschaften bis zu Verkäufen und Schließungen. Mit jeder Aktivität wolle sich Siemens auf einem führenden Platz im Weltmarkt etablieren. Die angelaufene Umstellung des gesamten Konzerns auf elektronische Plattformen werde Siemens zur E-Company verwandeln und führe schon im ersten Schritt zu Kosteneinsparungen in Höhe von zwei Milliarden Euro.
In den USA, wo Siemens im März an die Börse will, soll das Geschäft massiv ausgebaut werden; ebenso in Asien. "Ich gehe davon aus, dass die Reihenfolge unserer umsatzstärksten Länder in wenigen Jahren lautet: USA vor Deutschland vor China", sagte Pierer. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Siemens in den USA zum ersten Mal mehr umgesetzt als in Deutschland.
An der Frankfurter Börse verlor das Papier des Konzerns bis zum späten Vormittag etwa 2,4 Prozent. Infineon rutschten um rund 4,6 Prozent ab. Der Dax lag gleichzeitig mit 1,6 Prozent im Minus.