Siemens Löscher strafft Konzernstruktur ab 2008
München - Wenn es nach dem Willen von Peter Löscher geht, wird der Konzern künftig nur noch aus den drei großen Bereichen Energie, Industrie und Medizintechnik bestehen. Bislang ist das Unternehmen in zehn eigenständige Sparten gegliedert, die jeweils von einem Bereichsvorstand geführt werden. Siemens zufolge sollen die bisherigen Sparten Kraftwerkstechnik (PG) und Energieverteilung (PTD) zum Energiesektor zusammengelegt werden. Der Industrie-Bereich solle aus dem Automatisierungsgeschäft (A&D), dem Schaltanlagenbereich (I&S), der Zugtechnik (TS) und der Gebäudetechnik (SBT) sowie der Lichttechniktochter Osram bestehen. Allein die Medizintechnik bleibe als Großbereich eigenständig.
Der Aufsichtsrat solle seine Pläne für eine straffere Konzerngliederung Ende November absegnen, sagte Löscher nach Angaben des Unternehmens heute auf einer internen Management-Tagung. Die sogenannten Sektoren sollen jeweils einen Chef erhalten, der dann auch dem Konzernvorstand angehört. Greifen soll die neue Struktur ab Januar 2008.
In Folge der Neustrukturierung fällt die Ebene der Bereichsvorstände künftig weg. Siemens setze hier künftig auf "das CEO-Prinzip". Auf jeder der Ebenen unter den drei Sektoren - Divisions und Business Units - werde es einen verantwortlichen CEO geben, der direkt an den ihm übergeordneten Vorgesetzten berichtet. Personelle Entscheidungen seien hier aber bislang noch nicht getroffen, sagte ein Siemens-Sprecher auf Nachfrage.
In den kommenden Wochen sollen Arbeitsgruppen Vorschläge erarbeiten, wie die einzelnen Einheiten genau zugeschnitten werden. Von der alten Struktur mit Bereichen und Geschäftsgebieten sollen einige Elemente übernommen werden. Löscher hatte in der vergangenen Woche bereits Umrisse der neuen Konzernstruktur bekannt gegeben.
Von der alten Struktur mit Bereichen und Geschäftsgebieten sollen zwar Elemente übernommen werden, jedoch werden diese in der bisherigen Art nicht weiter fortbestehen, sagte Löscher. In der Neugliederung müsse dabei auch nicht jedes Geschäftsgebiet zwingend in seiner jetzigen Form bestehen bleiben. Hier werde im Zuge der Neustrukturierung der "Raum genutzt", diese teilweise neu zu ordnen.
Das Ziel der Umstrukturierung sei es, "Wachstums- und Kundenpotenziale besser auszuschöpfen, Kosteneffizienz und somit die Ertragskraft weiter zu steigern", teilte Siemens mit. Zudem sollen nach Löschers Willen klarere Verantwortlichkeiten entstehen. In dem Konzern waren in den vergangenen Monaten massive Schmiergeldvorfälle bekannt geworden, die im Frühjahr erst zum Rücktritt des ehemaligen Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer und kurze Zeit später von Vorstandschef Klaus Kleinfeld geführt hatten.
sam/Reuters/dpa-AFX/Dow Jones