Siemens mit Gewinnsprung: Von Pierer gibt Abschiedsgala - DER SPIEGEL
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Siemens mit Gewinnsprung Von Pierer gibt Abschiedsgala

Auf der Hauptversammlung in München übergibt Siemens-Chef Heinrich von Pierer heute den Vorstandsvorsitz an Klaus Kleinfeld. Der Nachfolger wird schnellstens die Probleme im Handygeschäft lösen müssen. Dafür kann er aber auf satte Gewinne des Gesamtkonzerns zurückgreifen.
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München - Unter dem Strich gebe es Chancen, das Konzernergebnis auf vergleichbarer Basis auch im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 zu verbessern, sagte der scheidende Vorstandschef. "Jedenfalls sind alle Anstrengungen darauf gerichtet." Die ertragsstarken Bereiche würden ihren Erfolgsweg fortsetzen, und auch die von der Pannenserie bei Trambahnen geplagte Bahnsparte TS werde wieder schwarze Zahlen schreiben. Bei der Kommunikationssparte Com und dem IT-Dienstleister SBS gebe es jedoch Sonderlasten. "Die damit zusammenhängenden Ergebniseffekte lassen sich noch nicht im Einzelnen kalkulieren", hieß es.

Eine Lösung für das marode Handygeschäft, das seinen operativen Verlust im Quartal um weitere zwei Millionen auf 143 Millionen Euro ausweitete, präsentierte von Pierer den Aktionären nicht. "Besonders groß ist die Problemlage bei den Mobiltelefonen", räumte er ein. Es gebe einen Fahrplan, Siemens werde diesen "zügig, aber nicht hastig" abarbeiten und eine Lösung in den nächsten Wochen präsentieren. Von Pierer ließ durchblicken, dass er eine Schließung kritisch sehe. Alle vier Optionen - Verkauf, Schließung, Kooperation und Sanierung - bestünden aber fort.

Experten interpretieren die Aussagen von Pierers unterschiedlich. "Siemens scheint sich entschieden zu haben, die Handysparte zu sanieren, anstatt sie zu verkaufen oder zu schließen", sagte Richard Windsor, Analyst der japanischen Investmentbank Nomura. "Wir denken, das bedeutet, dass die verzweifelten Versuche eines Verkaufs oder der Partner-Suche gescheitert sind." Zuvor war spekuliert worden, asiatische Firmen wie der Partner Ningbo Bird, NEC oder BenQ könnten an dem viertgrößten Handyhersteller der Welt interessiert sein. "Es läuft offenbar alles auf eine Kooperation in der Handy-Sparte hinaus", sagte hingegen ein Börsianer. Dies habe nach den anfänglichen Kursverlusten zu dem Plus bei der Aktie geführt.

Sonderertrag aus Aktienverkauf

Ein konkreter Fahrplan für die Restrukturierung des Industriekonzerns bleibt damit weiterhin im Dunkeln. Von Pierer, künftig Chef des Aufsichtsrats, hatte für das Aktionärstreffen eigentlich einen konkreten Ausblick für das laufende Jahr angekündigt.

Immerhin geben die Zahlen auch keinen anlass für dramatische Eile. Entgegen der Erwartungen der Analysten kletterte der operative Gewinn im Quartal von Oktober bis Dezember auf 1,43 Milliarden Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte er 1,36 Milliarden Euro betragen. Unter dem Strich übertraf Siemens mit 1,00 Milliarden Euro (Vorjahreswert: 0,73 Milliarden) die Schätzungen ebenfalls, hierin enthalten war jedoch ein Sondererlös von 208 Millionen Euro aus dem Verkauf von Juniper-Aktien. Der Umsatz sank um ein Prozent auf 18,17 (Vorjahr: 18,33) Milliarden Euro.

Quartalszahlen sorgen für positive Überraschung

Als Ertragsperlen stellten sich erneut die Bereiche Automatisierungstechnik (A&D), Kraftwerksbau (PG), der Automobilzulieferer VDO und die Medizintechnik (Med) heraus. Allerdings blieben sowohl Med als auch PG unter den Ergebnissen des Vorjahresquartals. Der zum 1. Oktober gebildete neue Kommunikationsbereich Com, die mit 60.000 Mitarbeitern und 18 Milliarden Jahresumsatz größte Sparte im Konzern, startete bereinigt um den Ertrag aus dem Verkauf der Juniper-Papiere mit einem Ergebniseinbruch auf 32 (Vorjahr 174) Millionen Euro.

Die Landesbank Rheinland-Pfalz sprach mit Blick auf die Quartalszahlen von einer positiven Überraschung, nannte das Ausbleiben einer Lösung für die Handy-Sparte aber enttäuschend. Die Siemens-Aktie verlor nach Veröffentlichung der Zahlen zunächst bis zu 1,5 Prozent, drehte dann aber ins Plus und notierte am Vormittag 62,58 um 1,3 Prozent im Plus.

Vorstandschef von Pierer wechselt mit der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat, wo er den Vorsitz übernehmen will. Sein Nachfolger Klaus Kleinfeld steht vor der Aufgabe, die renditeschwachen Sparten auf Erfolgskurs zu bringen und Com sowie SBS neu auszurichten. Sieben von 13 Bereichen hatten im abgelaufenen Geschäftsjahr die Ertragsvorgaben verfehlt. Der 47-jährige Kleinfeld gilt als harter Sanierer und hat bereits das verlustreiche US-Geschäft binnen kurzer Zeit wieder in die Gewinnzone gebracht.

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