Siemens: Netto-Gewinn bricht ein - DER SPIEGEL
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Siemens Netto-Gewinn bricht ein

Es steht zurzeit nicht gut um Siemens. Hightech-Flaute und hausgemachte Probleme haben dem Elektronik-Konzern im abgelaufenen Quartal einen Milliardenverlust eingebracht.
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München - Der Nettoverlust im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 (30. September) belaufe sich auf knapp 1,1 Milliarden Euro, teilte Siemens   am Mittwoch mit. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Gewinn von 562 Millionen Euro erzielt. Das Minus war größer, als von vielen Analysten erwartet. Im Gesamtjahr brach der Gewinn wegen der roten Zahlen in den beiden Schlussquartalen kräftig ein.

Operativ hielt sich der Konzern nach Einschätzung von Branchenkenner noch recht gut. Das Ergebnis vor allen Sondereffekten und Abschreibungen sowie ohne Infineon   legte von 2,8 auf 3,2 Milliarden Euro zu. Der Siemens-Aktienkurs sprang um zeitweise sechs Prozent auf 61,30 Euro in die Höhe.

"Siemens hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sich das Unternehmen in schwierigen Zeiten besser behaupten kann als die meisten Konkurrenten", sagte Konzernchef Heinrich von Pierer. Ein Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr sei derzeit unter anderem wegen noch unklarer Auswirkungen der Terroranschläge in den USA schwierig, sagte er. Nach der Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen sollten sich die operativen Ergebnisse aber wieder verbessern. Allerdings räumte von Pierer ein, dass die Mobilfunk- und die Netzwerksparte die eigentlich für das Jahr 2003 vorgegebenen Renditevorgaben wohl bis dahin nicht erreichen können.

Im gesamten Geschäftsjahr 2000/01 brach der Siemens-Gewinn drastisch ein. Der Netto-Gewinn sank von 8,9 auf 2,1 Milliarden Euro. Allerdings profitierte der Konzern in beiden Jahren von milliardenschweren Sondererträgen. Im Geschäftsjahr 2000/01 beliefen sich diese insbesondere wegen der Übertragung von Infineon-Anteilen auf einen Siemens-Pensionsfonds auf zwei Milliarden Euro. Ohne diese Effekte hätte Siemens das Geschäftsjahr mit einer schwarzen Null abgeschlossen.

Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Firmenwert-Abschreibungen (Ebitda) im Konzern sank ohne die verlustreiche Chiptochter Infineon von 2,8 auf 1,3 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz ohne Infineon stieg um 15 Prozent auf 82,3 Milliarden Euro. Mit der Halbleiter-Tochter wuchsen die Erlöse um zwölf Prozent auf 87 Milliarden Euro.

Im operativen Geschäft gab es bei Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr gleich mehrere Sorgenkinder. So erzielte die Netzwerksparte ICN unter anderem wegen hoher Sanierungskosten einen Ebitda-Verlust von 861 Millionen Euro. In der Mobilfunksparte ICM betrug das Minus 307 Millionen Euro. Auch der Logistik-Spezialist Siemens Dematic und die Automobil-Sparte Siemens VDO erzielten Verluste. Gute Ergebnisse vorweisen konnten dagegen unter anderem die Medizintechnik, die Licht-Tochter Osram und der Energie-Bereich.

Mit der Veröffentlichung der Zahlen legte die Aktien im frühen Nachmittagshandel stark zu. Bis 13.06 Uhr stieg der Kurs um 6,57 Prozent auf 61,60 Euro. Zu gleichen Zeit legte der Dax ebenfalls deutlich zu und kletterte 0,98 Prozent auf 4995,68 Punkte.

"Die Zahlen sind um einen Tick schwächer als erwartet ausgefallen", sagte ein Düsseldorfer Händler. Aber solange keine "Horrorzahlen am Markt auftauchen" griffen die Anleger sofort zu. Nach dem Flugzeugabsturz in New York am vergangenen Montag sei die Aktie nach Angaben des Händlers von 57 auf 54 Euro stark gefallen. Und nun hätten hier "einige Anleger erheblichen Deckungsbedarf".

Ebenfalls schwächer als erwartet sind die Zahlen für einen Händler einer süddeutschen Bank. "Die Kursgewinne im Dax geben das Ergebnis für das vierte Quartal nicht wieder", sagte er. Es sei schon "relativ irrational, was wir hier an der Börsen sehen". Der Markt wolle einfach nach oben, und da stehe die Nachrichtenlage nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt.