Siemens Neues Vorbild Coca-Cola
München - Rudi Lamprecht spricht gerne in Bildern, wenn er seine Strategie erläutert. Der weltweite Handy-Markt sehe derzeit aus wie ein Ei, philosophierte der Mobilfunk-Chef des Siemens-Konzerns nun im Interview mit der "Financial Times Deutschland": oval, mit einer dicken Wölbung in der Mitte. Das dünnere Ende oben entspricht dem Segment für Luxus-Handys, der schmalere Abschnitt unten den Billiganbietern, dazwischen ist der ganze, große, durchschnittliche Rest. In Zukunft aber werde der Markt einer Sanduhr gleichen: Die Mitte schrumpft, Edel-Handys und Low-Budget-Telefone werden wichtiger und wichtiger.
Lamprecht hat offenbar keinerlei Ambitionen, Siemens mit seinen Mobiltelefonen in der Edel-Liga zu positionieren. Für die Hersteller von Durchschnitts-Handys würden Marketing und Logistik immer wichtiger, sagte er der Zeitung - und rechnet Siemens offenbar zu dieser qualitativ nicht herausragenden "Standardware". So wolle die Konzernsparte künftig noch mehr für Werbung ausgeben - und die Forschung und Entwicklung weniger wichtig nehmen. Künftig solle die Werbung für Siemens-Handys personengetriebener und eventbezogener sein - und sich an Low-Tech-Marken wie Pepsi und Coca-Cola orientieren, die mit Pop-Stars wie Britney Spears oder mit Aktionen wie der Tournee des "Coca-Cola-Truck" PR treiben.
Mit einer derartigen Werbeoffensive hofft Siemens offenbar, die Rentabilität der Handysparte zu erhöhen. Im vergangenen Quartal arbeitete der Bereich operativ zwar knapp profitabel, lag aber weit hinter den Rendite-Zielen zurück, die Siemens-Chef Heinrich von Pierer gefordert hat. Zugleich hofft Lamprecht dem Bericht zufolge, dass ein positiverer, zeitgemäßerer Ruf der Handys auch auf die restlichen Konzernsparten ausstrahlt. Marketing-Experten hoffen bereits, dass Siemens insgesamt mit dem neuen Werbekonzept seine Image-Defizite ausbügelt und seine Marke verjüngt.