Siemens Politiker geben Staatsfonds freie Bahn
Der Kursaufschwung geht auf eine Äußerung von Finanzchef Joe Kaeser in der "Financial Times" zurück, wonach er offen seine Sympathie für einen ausländischen Staatsfonds als Großinvestor gezeigt hatte. "Wir sind gegenüber jedem, der als Investor zu uns kommen will, sehr aufgeschlossen." Der Konzern sei derzeit in Gesprächen mit mehreren Investoren aus verschiedenen Regionen der Welt.
Siemens spüre ein anhaltendes Interesse der Staatsfonds, sagte Kaeser. Seit seinem Amtsantritt 2006 habe er immer wieder mit Investoren aus Golfstaaten gesprochen. "Diese Regionen haben sich als sehr effizient im Umgang mit ihrem Kapital gezeigt. Das ist etwas, wovon wir bei Siemens profitieren könnten." Siemens sei nicht nur mit Staatsfonds aus den Golfstaaten im Gespräch, fuhr Kaeser fort. Auch mit Fonds aus Ländern wie Russland stehe man in Kontakt.
Einziger Großaktionär bei Siemens ist derzeit die Gründerfamilie mit rund sechs Prozent. Durch den Kursverfall der Siemens-Aktien seit Ende vergangenen Jahres ist die Wahrscheinlichkeit für einen Einstieg eines weiteren Großaktionärs oder gar eine feindliche Übernahme erheblich gewachsen. Notierten die Siemens-Papiere im Dezember noch knapp unter 160 Euro, werden die Aktien an der Frankfurter Börse derzeit für rund 74 Euro gehandelt. Siemens ist wegen des Kursverfalls der Papiere derzeit auf der Suche nach langfristig orientierten Investoren.
Allerdings ist die öffentliche Sympathiebekundung Kaesers für einen ausländischen Staatsfonds nicht ohne Pikanterie. Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung nach langen Diskussionen einen Entwurf zur Reform des Außenwirtschaftsgesetzes verabschiedet, der eine schärfere Kontrolle ausländischer Unternehmer und Finanziers bei Investitionen in Deutschland vorsieht.
Der am 20. August im Kabinett verabschiedete Entwurf räumt der Bundesregierung ein Vetorecht für den Fall ein, dass ein nichteuropäischer Investor mindestens 25 Prozent eines deutschen Unternehmens erwerben will. Die Voraussetzungen sind allerdings sehr streng. So soll das Vetorecht nur zur Anwendung kommen, wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das zentrale Bereiche der Wirtschaft kontrolliert.
Entsprechend sieht man im Bundeswirtschaftsministerium im Fall Siemens auch keinen Anlass zur Sorge. Offiziell wollte eine Sprecherin die Äußerungen zwar nicht kommentieren. Schließlich sei das Gesetz noch gar nicht verabschiedet. Hinter den Kulissen wurden aber Zweifel laut, ob der Fall überhaupt geprüft würde, selbst wenn das Gesetz unverändert den Bundestag passiert. Denn eine Beteiligung bei Siemens erfülle kaum den Fall, für den das Gesetz auf den Weg gebracht worden sei.
Ähnlich argumentiert auch der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs. Das Außenwirtschaftsgesetz sei auf den Weg gebracht worden, um zu verhindern, dass ausländische Staatsfonds ganze Infrastrukturen aufkauften, die für die Republik und die Wirtschaft von strategischer Bedeutung seien. Dieses Kriterium aber würde eine Beteiligung bei Siemens nicht erfüllen. "Siemens ist zwar ein großartiges Unternehmen, aber kein Investor könnte damit die Republik lahmlegen", erklärte der Politiker.
Das Gesetz sei nicht formuliert worden, um dem Protektionismus Vorschub zu leisten. "Aber wenn etwa jemand versucht, das gesamte deutsche Gasnetz unter seine Kontrolle zu bringen, dann muss es möglich sein, das zu verhindern."
Einen Einstieg eines Investmentfonds bei Siemens begrüßte Fuchs dagegen ausdrücklich. "Aller Erfahrung nach mischen die sich selten in das Tagesgeschäft ein. Das erleichtert es dem Vorstand, längerfristig zu planen."
Theo Kitz, Experte des Bankhauses Merck Finck, sieht noch andere Vorteile: Seiner Einschätzung zufolge dürfte sich eine solche Transaktion positiv auf den Auftragseingang, insbesondere für Infrastruktur-Projekte, auswirken. Er bewertet die Siemens-Titel mit "Buy".
Auch Cheuvreux-Analyst Bernd Laux wertet die Nachrichten positiv. Das Management dürfte seiner Einschätzung nach aus mehreren Gründen einen solchen Einstieg begrüßen. Unter anderem dürfte die Beteiligung eines Staatsfonds - wie es bereits General Electric vorgemacht habe - die Möglichkeiten im Heimatmarkt des jeweiligen Investors erhöhen. Zudem sorge ein solcher Investoren-Einstieg meist für einen Schub beim Aktienkurs. Auch mischten sich Staatsfonds selten in das operative Geschäft oder die Strategie ein.
Erst jüngst war der staatliche Investmentfonds Mubadala aus Abu Dhabi bei dem US-Rivalen General Electric eingestiegen und hatte eine weitreichende geschäftliche Kooperation vereinbart.
Mit Material von dpa-AFX