Siemens-Sanierung: IG Metall kündigt Widerstand an - DER SPIEGEL
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Siemens-Sanierung IG Metall kündigt Widerstand an

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld will in den Problemsparten seines Konzerns mehrere tausend Stellen streichen. Ein "Horrorpaket" sei das Sanierungsprogramm, schimpfen Gewerkschafter.
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München - "Die neue Linie des Hauses ist, nur kurzfristig auf die Rendite zu schauen, statt ein Geschäft langfristig aufzubauen", sagte Wolfgang Müller, der für die IG Metall im Aufsichtsrat von Siemens sitzt. Früher habe sich Siemens mit Problemsparten wie der Medizintechnik - die heute Ertragsperlen sind - viel Zeit gegeben. Doch inzwischen gehe es nur noch um die Rendite. "Um Kosten zu sparen schmeißt man Leute raus", monierte Müller. "Ich vermisse eine langfristige Strategie, ein unternehmerisches Konzept."

Dass das Sparprogramm erst unmittelbar nach der Bundestagswahl veröffentlicht wurde, sei ebenfalls kein Zufall, kritisierten verschiedene Gewerkschafter: Siemens habe Rücksicht auf Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer nehmen wollen, der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel in Wirtschaftsfragen berät. Es sei ein "Treppenwitz der Geschichte", dass Pierer Innovationsberater einer möglichen Kanzlerin Merkel werden solle, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Wegen fehlender Innovationen in Pierers Zeit als Siemens-Cherf stecke man schließlich heute in Schwierigkeiten.

IT-Bereich soll flexibler werden

Siemens hatte bereits vor längerer Zeit angekündigt, seine Problemsparten grundsätzlich umzustrukturieren. Seit Tagen wird über Details spekuliert. Die Maßnahmen, die der Konzern heute in München mitteilte, erfüllen nun die schlimmsten Erwartungen der Arbeitnehmer.

2400 Jobs sollen allein bei der Siemens-Tochter SBS ersatzlos gestrichen werden. Nach Angaben der IG-Metall, sind vor allem die Standorte Paderborn und München betroffen. Etwa 40 der rund 60 deutschen Standorte des IT-Dienstleisters würden sogar ganz geschlossen.

Insgesamt sollen 1,5 Milliarden Euro bei der Tochterfirma eingespart werden, die allein in den ersten neun Monaten des nun endenden Geschäftsjahrs Verluste von gut 260 Millionen Euro angehäuft hatte. Bereits Anfang 2005 hatte Siemens deshalb einen wesentlichen Teil des Geschäftsfeldes verkauft. Die produktnahen IT-Dienstleistungen müssten flexibler und kostengünstiger werden, sagte Konzernchef Kleinfeld heute.

Übernahme "soweit möglich"

Nicht nur bei SBS geht die Angst um die Arbeitsplätze um. Auch in der Kommunikationssparte des Konzerns (Com) seien "Personalanpassungen" zu erwarten, hieß es in München weiter. Man verhandle mit den Arbeitnehmervertretern des Geschäftsfelds derzeit über flexiblere Arbeitszeiten und flexibleren Personaleinsatz, so Konzernchef Kleinfeld. Ob und wie viele Stellen möglicherweise wegfallen, wollte er nicht sagen: "Das wäre Panikmache." Branchenkreisen zufolge sind in dem Segment jedoch 3000 bis 4000 Stellen gefährdet. Auch die Arbeitnehmerseite befürchtet einen Abbau in dieser Größenordnung.

Der dritte Problembereich des Konzerns - der Bereich Airport Logistics und Postal Automation (L&A) - wird sogar ganz aufgelöst und an die verbliebenen Bereiche angegliedert. Mitarbeitern aus den zentralen Abteilungen würden "soweit möglich" Angebote zur Weiterbeschäftigung unterbreitet. Das defizitäre Geschäftsfeld Industrielogistik soll außerdem mit seinen 5000 Mitarbeitern in eine rechtliche eigenständige Gesellschaft umgewandelt werden, die am 1. Januar 2006 ihre Arbeit aufnehmen soll.

Börse reagiert positiv

Die IG Metall kündigte Widerstand gegen Kleinfelds Vorhaben an: "Wir werden Alternativen zu diesem Horrorpaket prüfen", sagte IG-Metall-Chef Neugebauer. Kleinfeld verteidigte sein Sparprogramm dagegen als einzigen Weg, die Problembereiche wieder auf Erfolgskurs zu führen. "Nur erfolgreiche Geschäfte sichern und schaffen Arbeitplätze."

Genau wie SBS hatten auch die Kommunikations- und die Logistiksparte im letzten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben. Kleinfeld hatte deshalb bereits im Juni das kriselnde Handy-Geschäft an den taiwanesischen Konkurrenten BenQ verschenkt und noch Geld oben drauf gelegt.

Durch die Einschnitte will Siemens in dem Ende September auslaufenden Geschäftsjahr in etwa wieder das Ergebnis des Vorjahres erreichen. 2004 hatte der Konzern, der in Deutschland 164.000 und weltweit 430.000 Mitarbeiter beschäftigt, einen Gewinn von 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Die Börse reagierte positiv auf das Sparprogramm aus München: Am Nachmittag notierte die Aktie bei 64,45 Euro, ein Plus von 0,86 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Vortag.