Siemens-Schmiergeldaffäre: Kritik an Pierer und ein Geständnis - DER SPIEGEL
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Siemens-Schmiergeldaffäre Kritik an Pierer und ein Geständnis

In der Korruptionsaffäre bei Siemens gibt es einer Zeitung zufolge das erste Geständnis: Ein Beschuldigter erklärte demnach, der Ex-Präsident von Nigeria sei bestochen worden. Derweil attackieren Aktionärsschützer schon Aufsichtsratschef Pierer: Er müsse zurücktreten, sollte er etwas gewusst haben.
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Berlin - Aktionärsschützer sind entsetzt über den Schmiergeld-Skandal bei Siemens - und fordern Konsequenzen. So müsse etwa Heinrich von Pierer zurücktreten, sollte sich herausstellen, dass er von den schwarzen Kassen gewusst hat. "Dann muss er die Konsequenzen ziehen", sagte der Vorsitzende des Vorstands der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Klaus Schneider, dem "Tagesspiegel". "200 Millionen Euro für schwarze Kassen, das müsste im Präsidialausschuss oder im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats eigentlich aufgefallen sein", fügte Christian Strenger, einer der profiliertesten Experten für gute Unternehmensführung, gegenüber dem "Handelsblatt" hinzu.

Ähnlich äußerte sich der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz: "Sollte von Pierer davon gewusst haben, und ist er nicht dagegen eingeschritten, hat er das System unterstützt. Dann muss er als Aufsichtsratsvorsitzender gehen", sagte Kurz der Zeitung.

In der Affäre sollen der Münchener Staatsanwaltschaft zufolge ranghohe Mitarbeiter des Elektronikkonzerns rund 200 Millionen Euro veruntreut haben.Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat ein langjähriger Angestellter der Staatsanwaltschaft gegenüber bereits Schmiergeldzahlungen zugegeben. Der frühere Siemens-Beschäftigte habe ausgesagt, in Afrika und anderen Teilen der Welt sei es oftmals nur mit Sonderzahlungen möglich, Aufträge zu bekommen. So habe Siemens etwa den früheren Präsidenten von Nigeria, Sani Abacha, bestochen. Bei dem Beschuldigten handle es sich um einen der sechs früheren oder aktiven Mitarbeiter, die bereits in Untersuchungshaft sitzen, schreibt das Blatt. Er gelte bislang als Mittelsmann bei Transaktionen.

Ausmaß überrascht selbst Korruptionsexperten

Das Ausmaß der Affäre hat selbst Korruptionsexperten überrascht. Die hohen Summen, die Mitarbeiter auf schwarze Konten ins Ausland transferiert haben sollen, "hat auch uns in Staunen versetzt", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI), Peter von Blomberg, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. "Bei dieser Größenordnung kann man die Frage verstehen, ob Korruption bei Siemens Teil der Geschäftspolitik mit Wissen oder Duldung der Geschäftsführung oder das Unternehmen das Opfer eigenmächtig handelnder leitender Angestellter ist." Auf jeden Fall hätten bei dem Münchner Konzern "sämtliche Kontrollsysteme versagt".

Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld bemüht sich derweil verzweifelt um Schadensbegrenzung. "Wir müssen Unregelmäßigkeiten schonungslos aufklären und ahnden", erklärte er jetzt. Der Vorstand von Siemens dulde keine ungesetzlichen Geschäftspraktiken von Mitarbeitern, weder im Inland noch im Ausland. Deshalb würden die Verhaltensregeln für Siemens-Mitarbeiter "deutlich verschärft", kündigte der Konzern an.

Mitarbeiter, die die internen Regeln missachteten, "schaden Siemens in jeder Hinsicht", betonte Kleinfeld. "Das können wir nicht hinnehmen." Kleinfeld kündigte den Einsatz einer "Task Force" an, die die internen Kontrollsysteme auf Lücken und Umgehungsmöglichkeiten überprüfen und neue Verhaltensregeln erarbeiten soll.

ase/AP/AFP/dpa/ddp

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