Siemens-Stratege Schmiergeld-Affäre schadet dem Konzerngeschäft nicht
München - Der Chef-Stratege von Siemens, Horst Kayser, sieht bisher keine geschäftlichen Nachteile für den Konzern durch die Schmiergeldaffäre. Kayser sagte heute, nach allem direkten Feedback, das es von Kunden weltweit gebe, sehe er keine Beeinträchtigung des Kundenvertrauens. Der Skandal habe seines Wissens auch keine Auftragsstornierungen nach sich gezogen.
Mitte November hatten deutsche Ermittler auf der Suche nach Schmiergeldzahlungen von Mitarbeitern des Konzerns an potentielle Auftraggeber erstmals mehrere Siemens-Büros durchsucht. Im Dezember räumte Siemens ein, dass eine Gruppe von Managern in der Telekommunikationssparte von 1999 bis 2006 dubiose Zahlungen über bis zu 420 Millionen Euro geleistet haben. Inzwischen prüft auch das US-Justizministerium mögliche Gesetzesverstöße. Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht die Vorgänge bislang informell.
Kayser, der seit Mai vergangenen Jahres für die Konzernstrategie bei Siemens verantwortlich ist, kündigte an, den Konzern für die Zukunft in den Bereichen Umwelt und Gesundheit stark aufstellen zu wollen. Energie und Umweltschutz, Gesundheit sowie Industrieautomatisierung und öffentliche Infrastruktur seien "drei Felder, in denen wir uns sehr stark gerüstet fühlen", sagte Kayser. Dort müsse Siemens sich auf die Marktführerschaft konzentrieren und seine "Stärke-Inseln" nutzen.
Das Unternehmen wolle Infrastrukturlösungen für die weltweit immer stärker wachsenden Großstädte anbieten. Als Beispiele nannte Kayser Techniken zur Wasseraufbereitung, Windkraftwerke, Verkehrsleitsysteme und Speicherkarten für Patienteninformationen. Die Megastädte der Welt hätten zunehmend mit überbordendem Verkehr, Luftverschmutzung und einem drastisch steigenden Energiebedarf zu kämpfen, zudem stiegen die Ansprüche an das Gesundheitswesen. Sein Haus wolle sich als Anbieter von Infrastruktur für diese Städte positionieren.
Kayser erklärte, die wachsende Urbanisierung sei einerseits eine große Herausforderung, biete aber andererseits große Marktchancen. Darauf wolle Siemens sich nun konzentrieren.
kaz/AP/Dow Jones/Reuters