Siltronic: Sanierungsfall als Börsenkandidat - DER SPIEGEL
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Siltronic Sanierungsfall als Börsenkandidat

Die Pressekonferenz anlässlich des anstehenden Börsengangs geriet für den Chipausrüster Siltronic zum PR-Patzer. Das Management musste einräumen, dass die Restrukturierung des Unternehmens noch nicht abgeschlossen ist - und 2004 zum dritten Mal in Folge rote Zahlen wahrscheinlich sind.
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Frankfurt am Main - "Richtig." Mehr als dieses eine Wort war aus Siltronics Finanzvorstand Günter Koch am Montag auf der Börsengangspressekonferenz in Frankfurt nicht herauszuholen. Ein Pressevertreter hatte die nicht ganz unwesentliche Frage gestellt, ob die vorgestellte, auf unveränderten Chippreisen basierende Planungsgrundlage des Konzerns auf einen Verlust hinauslaufe. Koch musste einräumen, dass dies der Fall ist. Noch Ende Februar hatte er erklärt, schwarze Zahlen seien im Gesamtjahr möglich.

Auch zum Thema Währungsrisiken brachten die anwesenden Journalisten kaum etwas aus dem Manager heraus. Der Euro hat im Februar zum US-Dollar ein Rekordhoch bei gut 1,29 Dollar markiert. Ein teurer Euro erschwert die Exporte aus Deutschland in den Dollar-Raum und belastet somit oftmals die Gewinne der Unternehmen. Für 2004 sei Siltronic gegen Währungsrisiken am Kapitalmarkt abgesichert, sagte Koch. Bis zu welchem Euro-Niveau das Unternehmen von einem starken Euro nichts zu befürchten habe, sagte er aber nicht.

"Wir planen für dieses Jahr mit stabilen Chippreisen", sagte Koch weiter. "Wenn das passiert, dann ist das für 100 Millionen im Ergebnis gut", erkärte er. Die Wacker-Chemie-Tochter hatte für 2003 einen Verlust von 67 Millionen Euro ausgewiesen. Schwarze Zahlen schrieb Siltronic zuletzt im Geschäftsjahr 2001.

Größter Börsengang seit dem Post-Debüt

Siltronic plant die Erstnotiz seiner Aktien an der Frankfurter Börse für den 26. März und wäre damit der zweite Börsengang des Jahres nach dem Konkurrenten X-FAB, dessen Titel ab Freitag gehandelt werden sollen. Mit einem Ausgabevolumen von bis zu 1,1 Millionen Aktien wäre Siltronic der größte Börsengang in Deutschland seit dem Börsendebüt der Deutschen Post im November 2000.

2003 hatte es erstmals seit 1968 in Deutschland keinen einzigen Börsengang mehr gegeben. Die Aktien von Siltronic können noch bis zum 25. März 2004 in einer Spanne von 14,50 bis 19,00 Euro gezeichnet werden. Im vorbörslichen Handel bei den Brokern Schnigge und Lang & Schwarz wurden bis zum Mittag nur geringe Stückzahlen bei 18,50 Euro gehandelt.

Erst Börsengang, dann Sanierung

Was bei vielen Experten ebenfalls Stirnrunzeln hervorruft, ist das Timing des Börsengangs. Vorstandschef Wilhelm Sittenthaler räumte am Montag ein, dass Siltronic nach wie vor ein Sanierungsfall sei. Er wolle das am schwankungsanfälligen Chipmarkt tätige Unternehmen im ersten Halbjahr 2004 aber seine Restrukturierung abschließen, sagte Sittenthaler in Frankfurt. "Ich führe dieses Unternehmen seit letztem Jahr mit dem klaren Auftrag, das Geschäft zu restrukturieren", sagte Sittenthaler. Diese Mission werde bis Juni 2004 abgeschlossen sein.