Skala-Programm - DER SPIEGEL
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Skala-Programm

• aus DER SPIEGEL 46/1947
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Assessor a.D. Wüster, Leiter der Hauptversorgungszentrale Bergbau, schwört darauf, daß der sprunghafte Anstieg der Ruhrkohlenproduktion auf 279 000 Tonnen der von ihm geleiteten Care-Pakete-Aktion zu verdanken sei. Seine Beamten nennen das zweite amerikanische Paket-Hilfsprogramm »den kleinen Marshall-Plan«.

Die Kumpels im Ruhrgebiet schwingen die Haue mit aller Macht, um sich zu Weihnachten noch ein Care-Paket zu verdienen. Die durchschnittliche Tagesleistung liegt aber mit 1,22 Tonnen noch um eine ganze Tonne unter dem Vorkriegsdurchschnitt. »Wenn die Ernährungslage sich nicht verschlechtert«, prophezeit Mr. Collins, der Leiter der alliierten Produktionsabteilung, »dann werden wir die Förderung halten können. Viel mehr wird es aber wohl nicht werden.«

Mit der steigenden Förderung gleitet auch die vereinbarte Exportskala des Moskauer Abkommens der westlichen Alliierten nach oben. 21 Prozent der Produktion gehen jetzt ins Ausland, gegenüber bisher 18 Prozent. (1938 wurden 26 Prozent der Ruhr-Saar-Produktion exportiert).

Bereits im Oktober wurden mit 1 233 000 Tonnen-Kohlen 200 000 Tonnen mehr ausgeführt als im September.

Die Ruhrkumpels fordern in einer Entschließung, daß als Belohnung für ihre Mehrarbeit ein Teil der Mehrförderung der deutschen Bevölkerung zugeteilt werden soll. Sie verlangen weiter, daß die 95 demontagereifen Zuliefer-Betriebe ausgetauscht werden. Die alliierten Kohlenmänner versprachen alles zu berücksichtigen.

Inzwischen wachsen die Haldenbestände an. Um so mehr, als der Abtransport auf dem Rhein wegen des niedrigen Wasserspiegels fast völlig zum Erliegen gekommen ist In der vergangenen Woche lagen mehr als eineinhalb Million Tonnen auf Halde. Eine Million Tonnen gilt als normal.

Seit Anfang dieser Woche sind die Amerikaner mit in das Ruhrgeschäft eingestiegen. Leiter der amerikanischen Ueberwachungsabteilung ist Mr. A. E. Estill, ein alter Kohlenexperte. Er war zehn Jahre lang Heizungsingenieur bei der »US-Steel« und leitete eine Reihe von Kohlenbergwerken in West-Virginia.

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