Smax-Aktien Flucht in den Nebel
Frankfurt am Main - Kurz vor Jahresende mehren sich Ankündigungen von Firmen, die den Smax verlassen wollen, das Segment der Deutschen Börse für kleinere Unternehmen. Jüngster Aussteiger ist der Metallwarenhersteller WMF. Fünf der 200 Smax- Unternehmen haben sich bereits aus dem Staub gemacht: Bijou Brigitte, Bien-Haus, Ahag Wertpapierhandelsbank, Adolf Ahlers und Uzin Utz. Neben WMF werden Kaufring und Schuler bald folgen.
Als Grund nennen die Firmen die zu hohen Kosten einer Smax-Notierung. Mitglieder der Index müssen eine Reihe von Kriterien erfüllen. Dazu gehören unter anderem die Veröffentlichung von Quartalsberichten und die Garantie, dass die Aktie ständig handelbar ist. Smax-Firmen müssen deshalb einen so genannten "Designated Sponsor" bezahlen, der dafür sorgt, dass Orders jederzeit ausgeführt werden können.
So viel Transparenz ist manchem nicht geheuer
Viele Firmen sind der Ansicht, das "Qualitätssiegel" Smax sei die Extrakosten nicht wert. Im Smax notiert zu sein, bringe kaum zusätzliche Aufmerksamkeit. "Die Relation zwischen beiden Komponenten hat sich zunehmend verschlechtert", so ein Sprecher der Schuler AG.
Kritische Marktbeobachter sehen diese Begründung als Vorwand. Sie rügen die mangelnde Bereitschaft zu einer kapitalmarktgerechten Kommunikation. Für viele Smax-Unternehmen sei Investor-Relations-Arbeit immer noch etwas Unangenehmes. Auch die Bilanzierung nach internationalen Kapitalmarktstandards dürfte für manchen Mittelständler wohl zuviel der Öffentlichkeit sein: Ab Januar müssen Smax-Firmen nach den Rechnungslegungsstandards US-GAAP oder IAS bilanzieren, die Unternehmen weniger Möglichkeiten kreativen Bilanzierens lassen als das deutsche Handelsgesetzbuch.
Die Schuler AG erklärt ihren Abgang zum Jahresende unter anderem damit, dass der Aktienkurs "trotz der Zugehörigkeit zum Smax und einer intensiven Investor-Relations-Arbeit hinter den Erwartungen" zurückblieb.
Neue Bilanzregeln kommen nicht überraschend
Jochen Mathee von der Fondsgesellschaft Invesco glaubt, die Unternehmen sollten sich lieber an die eigene Nase fassen. "Einige waren einfach nicht in der Lage, sich den Investoren überzeugend zu präsentieren." Mit dem Ausscheiden aus dem Smax müssten die Firmen nun nicht mehr quartalsweise bilanzieren und könnten auch ihre Transparenz herunterfahren. Das Argument, die Umstellung von deutschem auf internationales Bilanzrecht sei zu aufwendig, will Mathee nicht gelten lassen. "Die Firmen hatten eine Übergangsfrist, um ihre Rechnungslegung umzustellen. Diese Zeit ist offenbar nicht von jedem genutzt worden."
Auch die angekündigte Neuordnung des S-Dax wurde von den Aussteiger-Firmen als Kündigungsrrund angeführt. Der S-Dax ist die "Top-Kategorie" der Nebenwerte - vergleichbar mit der Stellung des Nemax 50 gegenüber dem Nemax All Share. Ab dem 24. Juni 2002 soll die Zahl der größten im S-Dax gelisteten Smax- Unternehmen von derzeit 100 auf 50 reduziert werden.
Die Verkleinerung des Segments hat nach Angaben von Schuler die Perspektiven auf ein Verbleiben im Segment "noch weiter getrübt". Der schwäbische Systemlieferant würde nämlich nicht in den exklusiven Kreis der 50 aufgenommen werden.
Für Invesco-Manager Mathee gibt es dennoch gute Gründe, im Smax zu bleiben: "Stada, Kamps, Salzgitter - all diese M-Dax Unternehmen haben mal im Smax geübt. Wer sich im S-Dax 50 bewährt, hat Aufstiegschancen."