SMS-Preiserhöhung: Sturmlauf im Namen der Kinder - DER SPIEGEL
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SMS-Preiserhöhung Sturmlauf im Namen der Kinder

21 Milliarden Kurznachrichten (SMS) verschickten die Bundesbürger im vergangenen Jahr. Ein Trend, den sich die Telekom vergolden lassen will und Preiserhöhungen um fast 100 Prozent plant. Dagegen protestieren nun die - meist jungen - Kunden und Politiker, die sich angeblich um die jungen Tippsüchtigen sorgen.
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Berlin - Bei der SMS-Nachricht hört in Deutschland der Spaß auf: Kaum hatte die Telekom eine Preiserhöhung für die beliebten Kurztexte auf dem Handydisplay bekannt geben, liefen Politiker und Verbraucherschützer Sturm. "Bild" titelte "Frechheit". Fehlte fast nur noch die Forderung, dass der Kanzler die SMS-Preise zur Chefsache erklären soll. Schließlich soll der ja auch SMS-Fan sein. Seine Verbraucherschutzministerin Renate Künast kündigte zumindest an, sie wolle den Fall prüfen.

Doch zuerst zu den Fakten: Im Zug der Umstellung auf den Euro berechnet die Telekom-Tochter T-Mobile ab 1. Februar ihren Neukunden für den SMS-Versand "in allen Laufzeit-Tarifen grundsätzlich 0,19 Euro". Doch nicht nur die Telekom zieht an, auch andere Anbieter des SMS-Versands haben ihre Gebühren erhöht oder planen dies. Der kostenlose Versand von SMS über Internet ist praktisch eingestellt. Alle Anbieter haben erkannt, dass das Geschäft mit den kurzen Grüßen lukrativ ist, allein im letzten Jahr versandten die Deutschen rund 21 Milliarden solcher Botschaften.

Die armen Kinder und die böse Telekom

So mancher Hinterbänkler sorgt sich nun wahlkampfträchtig um die Betroffenen. In Stellungnahmen wurde auf die häufige Nutzung des sogenannten Short Message Service (SMS) durch Jugendliche verwiesen. Der CDU-Familienexperte Hubert Hüppe sagte, für Jugendliche sei der Besitz eines Handys normal, doch reiche das Taschengeld nicht. Die Telekom grabe sich den eigenen Markt ab, weil viele Eltern sich die Kosten nicht mehr leisten könnten.

Die Postkommunisten von der PDS benutzten noch deutlichere Bilder für die Telekom. Die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer warf dem ehemaligen Staatsunternehmen vor, es gebärde sich "wie ein Drogendealer, der seine Kunden erst anfüttert, um sie dann abzuzocken". Klaus Haupt (FDP), Vorsitzender der Kinder- und Jugendkommission im Bundestag, warnte, höhere SMS-Kosten könnten Kinder und Jugendliche in die Schuldenfalle treiben. Die Telekom solle diesen Personenkreis in einer groß angelegten Kampagne über die Tariferhöhung aufklären

Kein politischer Einfluss möglich

Doch so aufgeregt mancher Politiker auch ist, so gering sind die Einflussmöglichkeiten auf die Telekom-Preise. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Telekommunikation, Klaus Barthel (SPD), erklärte, die Regierung habe keine rechtliche Handhabe zum Einschreiten. Wenn aber andere Mobilfunkanbieter nachzögen, solle man genau hinsehen, "ob sich da ein Missbrauch von Marktmacht abzeichnet. Dann wäre nicht ausgeschlossen, auch den Mobilfunksektor einer Regulierung zu unterziehen wie bislang das Festnetz."

Telekom-Sprecher Stephan Althoff zeigte sich überrascht wegen der Aufregung und erklärte, die Tarifänderungen gälten nur für Neukunden. Das Argument der ausgenutzten Jugendlichen konterte er mit dem Gebrauchsverhalten der jungen Leute. Demnach benutzten die meisten jungen Leute Prepaid-Karten, bei denen jede SMS bisher 39 Pfennig (19,94 Cent) gekostet habe. Für sie verringere sich mithin der Preis geringfügig.