Societe Generale Mutmaßlicher Komplize Kerviels verhaftet
Paris - Erneut haben Ermittler die Büros der französischen Großbank Société Générale durchsucht. Doch diesmal nahmen sie nicht nur Akten mit aufs Revier. Sie verhafteten einen Angestellten, einen mutmaßlichen Komplizen und Freund des Ex-Händlers Jérôme Kerviel. Der Verdächtige bleibt zunächst zwei Tage in Gewahrsam.
Kerviel hatte stets behauptet, bei seinen Spekulationen nicht alleine gehandelt zu haben. Seine Vorgesetzten bei der Société Générale hätten über seine hochriskanten Geschäfte Bescheid gewusst und ihn gedeckt - solange er Gewinne einfuhr.
Die Société Générale bestreitet das ebenso wie die Existenz eines Komplizen. Die französische Großbank hatte in der Vergangenheit mehrfach beteuert, Kerviel habe isoliert und ohne Wissen von weiteren Bankmitarbeitern gehandelt. Branchenkenner bezweifelten dies stets.
Kerviel soll durch nicht genehmigte Termingeschäfte im Volumen von 50 Milliarden Euro der Société Générale einen Schaden von 4,82 Milliarden Euro verursacht haben.
In der Affäre war bereits Anfang Februar ein Kollege Kerviels bei der Banktochter Fimat mehrfach verhört worden. Über diesen soll Kerviel einen Großteil seiner unautorisierten Geschäfte abgewickelt haben, die er durch Scheinbuchungen verschleiert haben soll. Der Skandalhändler sitzt seit dem 8. Februar wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Untreue in Untersuchungshaft. Kerviel räumte die Spekulationen teilweise ein. Die bankinternen Ermittler wollen vor der Hauptversammlung am 27. Mai einen Schlussbericht vorlegen.
Wegen des Spekulationsskandals sowie Milliardenverlusten mit US-Immobilienkrediten war der Überschuss der Société Générale 2007 von 5,22 Milliarden auf 947 Millionen Euro gefallen. Infolgedessen hatte die Société Générale gestern ihr Kapital um 5,5 Milliarden Euro erhöht. Damit konnte die Bank zwar kurzfristig ihre Finanzprobleme lösen, eine Übernahme des angeschlagenen Instituts ist damit jedoch nicht vom Tisch.
sil/afp/dpa