Software-Konzerne: Oracle weitet Spionagevorwurf gegen SAP aus - DER SPIEGEL
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Software-Konzerne Oracle weitet Spionagevorwurf gegen SAP aus

Der US-Softwarekonzern Oracle greift die Spitze des Konkurrenten SAP an: Der Vorstand um Henning Kagermann habe nicht nur von Datenspionage gewusst, sondern sie sogar gebilligt. Das Walldorfer Unternehmen weist das zurück.
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Boston/Walldorf - Die US-Software-Firma Oracle hat neue Beweise für seine Spionagevorwürfe gegen den deutschen Konkurrenten SAP angekündigt. "Oracle liegen jetzt interne Aufzeichnungen von SAP vor, die bestätigen, dass SAP jahrelang ohne Genehmigung systematisch Material aus Oracles System entwendet hat", hieß es in der neu formulierten Anzeige. SAP habe mit einer Software namens "Titan" eine Kunden-Website von Oracle ausgeplündert. Auf einem einzigen Computer von SAP seien acht Millionen Oracle-Programme gefunden worden.

Oracle versichert, nun über Beweise zu verfügen, wonach die Unternehmensführung nicht nur über das Vorgehen Bescheid wusste, sondern es sogar billigte. Konkret richten sich die Vorwürfe gegen SAP-Vorstandschef Henning Kagermann und drei weitere SAP-Manager. Diese hätten am 7. Januar 2005 ein vertrauliches Dokument erhalten, aus dem hervorging, dass das Unternehmen TomorrowNow nicht gesetzestreu arbeite. Trotz der illegalen Aktivitäten habe SAP das US-Unternehmen am 19. Januar 2005 gekauft.

Oracle wirft SAP vor, dass die SAP-Tochter TomorrowNow unberechtigt Software-Codes von Oracle-Datenbanken heruntergeladen hat. Dadurch seien Kunden abgesprungen. SAP hat unerlaubte Datenabrufe eingeräumt.

SAP wies die Anschuldigungen in einer kurzen Stellungnahme jedoch zurück. Die neu formulierte Anzeige "wiederholt viele der Themen und Behauptungen der Schrift von 2007", hieß es auf der Website www.tnlawsuit.com , auf der die deutsche Firma Informationen über den Prozess veröffentlicht. Ein Unternehmenssprecher sagte, SAP werde sich zu den Vorwürfen spätestens bis zum 11. September vor Gericht äußern.

Das Walldorfer Unternehmen würde den öffentlichen Streit mit dem US-Konkurrenten Oracle möglichst schnell außergerichtlich beilegen, beißt damit aber auf Granit bei den Amerikanern. Kommt es nicht zu einer Einigung, wird der Prozess voraussichtlich erst im Februar 2010 beginnen. Neben dem möglicherweise Jahre dauernden Zivilprozess droht SAP in den USA auch ein Strafprozess. Oracle   hat den Schaden auf eine Milliarde Dollar beziffert. Vor wenigen Tagen hatte SAP   mitgeteilt, das Geschäft bei der US-Tochter TomorrowNow werde eingestellt.

SAP teilte am heutigen Dienstag mit, im zweiten Quartal dank guter Geschäfte in Europa, Afrika, im Nahen Osten sowie in der Region Asien-Pazifik einen Umsatzsprung erzielt, beim Gewinn allerdings die Erwartungen verfehlt zu haben. Der Umsatz legte von 2,421 auf 2,858 Milliarden Euro zu und lag damit über den Prognosen der Analysten. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte von 581 auf 593 Millionen Euro zu, blieb damit aber deutlich unter der Schätzung von 652 Millionen Euro.

kaz/AFP/Reuters