Software-Tycoon Premji: Indiens Antwort auf Bill Gates - DER SPIEGEL
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Software-Tycoon Premji Indiens Antwort auf Bill Gates

Azim Premji gilt als Schöpfer des indischen Outsourcing-Wunders. Sein IT-Konzern Wipro schreibt Computerprogramme für den Rest der Welt. Legendär ist auch seine Sparsamkeit. Premji soll sogar sein Klopapier abzählen.
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Als Azim Premji jüngst einen Ersatz für seinen acht Jahre alten Ford Escort suchte, wurde der Gründer des zweitgrößten indischen IT-Konzerns Wipro bei einem japanischen Hersteller fündig. Laut Magazinberichten fährt der Software-Tycoon, dessen Vermögen auf zehn Milliarden Dollar geschätzt wird, seither in einem Toyota Corolla zur Arbeit.

Typisch Premji. Unter den neuen Maharadschas ist er der bescheidenste, Neider oder Gegner würden sagen: der geizigste. "Indische Unternehmer müssen Vorbilder sein, sie dürfen nicht in Luxusgefilde abheben", predigt der 59-Jährige. Und so schätzt er bei Geschäftsreisen die Economy-Class und Mittelklassehotels. Dort wäscht Premji angeblich seine Wäsche selbst. Abends macht er im Büro die Lichter aus, um Strom zu sparen. Sogar das Toilettenpapier soll er abzählen.

Dabei stammt der Muslim nicht einmal aus armen Verhältnissen. Die Familie handelte mit Speiseölen. Premji studierte an der US-Eliteuni Stanford. Das süße Oberklasseleben geriet jäh aus den Fugen, als der Vater starb und der damals 21-jährige Junior das Geschäft übernehmen musste.

Früh erkannte Premji das Potential indischer Ingenieure und Programmierer. Statt auf Flüssigfett setzte er mit Wipro bald auf Silizium - die Gelegenheit dazu bot sich Ende der Siebziger. Damals schottete sich das Land gegen ausländische Elektronikimporte ab. Premji füllte die Lücke. Sein Unternehmen mit Sitz in Bangalore produzierte den ersten indischen Mikrochip. Später baute er komplette Rechner, Drucker und Scanner.

Marathon-Mann der IT-Welt

Als Indien seinen Markt für die ausländische Billigkonkurrenz wieder öffnete, wusste Premji, dass er mit seinen Produkten keine Chance haben würde. Schnell orientierte sich der agile Unternehmer neu - und schuf das, was heute das indische Outsourcing-Wunder genannt wird. Ausgestattet mit technischem Know-how bot Wipro westlichen Großkonzernen IT-Dienstleistungen zum kleinen Preis an. Der Plan funktionierte. Heute programmieren Inder für den Westen zu einem Bruchteil der dort verlangten Preise. Auf der Kundenliste steht das Who's Who der Hightech-Branche: Nokia, Sony, Microsoft.

Für seinen Erfolg lieben ihn die Inder und verehren ihn als Antwort auf Bill Gates. Persönlich ist das Verhältnis zu seinen Landsleuten eher distanziert. Premji gilt als humorloser Pedant, dessen Leben voll und ganz auf Wipro ausgerichtet ist.

Gleiches verlangt der Chef von seinen Angestellten. Als er einmal einen Mitarbeiter mit gefälschten Reisekostenabrechnungen erwischte, feuerte er ihn sofort. Weil der Mann bei der Gewerkschaft aktiv war, gingen hunderte Kollegen in den Ausstand. Der Streik zog sich über Monate hin. Doch Premji blieb trotz hoher Verluste bei seiner Linie. "Es hat sich gelohnt", sagte er rückblickend der "Financial Times Deutschland". "Solche Verstöße gab es seither kaum noch."