Solitär für Stellenbosch - DER SPIEGEL
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Zigarettenindustrie Solitär für Stellenbosch

Einer der größten deutschen Zigaretten-Hersteller, die Martin Brinkmann AG, ist Eigentum eines ausländischen Großkonzerns geworden.
• aus DER SPIEGEL 29/1972
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Der Vorstand der Bremer Martin Brinkmann AG hütete den Besitzwechsel bis zuletzt wie ein strenges Betriebsgeheimnis. Erst aus einer Vier-Zeilen-Meldung im Bundesanzeiger erfuhren die 5200 Arbeiter und Angestellten des drittgrößten deutschen Zigarettenherstellers (Marken: »Lord Extra«, »Lux Filter"), daß »mehr als die Hälfte unserer Aktien« in das Eigentum der »Rothmans-Ritter Partnership in Industry Ltd., Soc. An., Luxembourg« übergegangen sei.

Hinter der neuen Brinkmann-Hoiding, die entgegen der Vorstandsmitteilung sogar sämtliche Brinkmann-Aktien im Portefeuille hat. verbirgt sich der südafrikanische Industrielle Dr. Anton E. Rupert, 55, aus Stellenbosch bei Kapstadt. Der neue Boß ist in der internationalen Tabakbranche kein Unbekannter. Innerhalb von drei Jahrzehnten zimmerte er den fünftgrößten Zigarettenkonzern der Welt (Jahresumsatz: rund zehn Milliarden Mark) zusammen. Zu der Rupert-Gruppe gehören neben der Martin Brinkmann AG so bekannte Firmen wie die englischen Unternehmen Rothmans of Pall Mall, Dunhill und die belgische Tabacofina.

Der südafrikanische Konzernherr. dessen Imperium inzwischen auf 70 Fabriken, darunter 20 Großbrauereien, angewachsen ist, versucht schon seit über einem Jahrzehnt, auf dem deutschen Zigarettenmarkt Fuß zu fassen.

Anfang der sechziger Jahre begann er, mit Deutschlands größter Zigarettenfirma Reemtsma zu flirten. Für rund zehn Millionen Mark verkaufte er den Hamburgern damals die Deutschland-Rechte der bis dahin nur wenig bekannten Marke »Peter Stuyvesant«. Außerdem erhielten die Hanseaten eine Lizenz für die englische Erfolgsmarke »Rothmans«.

Als Rupert merkte, daß die Reemtsma-Inhaber ihn nicht als Kompagnon aufnehmen wollten, klopfte er bei dem Bremer Brinkmann-Chef Wolfgang Ritter an, der damals gerade begann, seine Position auf dem Zigarettenmarkt stark auszubauen.

Nach und nach traten die Brinkmann-Aktionäre Ruperts Rembrandt-Gruppe rund 25 Prozent des Aktienkapitals ab. Kenner der Branche glauben, daß der Industrielle, den die »Sunday Times« für den »größten lebenden Südafrikaner« hält, bereits vor zwei Jahren in Bremen einen Anteil von 49 Prozent besaß. Denn inzwischen waren Brinkmann-Aktien auch mit der belgischen Rupert-Tochter Tabacofina ausgetauscht worden.

Mit der Bremer Tabak- und Zigarettenfirma hat sich der Sohn eines nach Südafrika ausgewanderten deutschen Rechtsanwalts einen hochkarätigen Solitär zugelegt. Nach dem neuesten Geschäftsbericht konnte das Unternehmen im letzten Jahr »wieder beachtliche Erfolge verzeichnen. So stieg der Firmenumsatz um 9,5 Prozent auf 2,25 Milliarden Mark. Auf das Grundkapital von 150 Millionen Mark genehmigte die Hauptversammlung elf Prozent Dividende. 20 Millionen Mark konnten außerdem in die »freien Rücklagen« gesteckt werden.

Noch zu Beginn der fünfziger Jahre wurde das Unternehmen von den Tabak-Königen freilich kaum beachtet. Erst als Brinkmann-Chef Wolfgang Ritter 1957 eine Fusion mit der Münchner Zigarettenfabrik seines Schwagers Friedrich Kristinus ("Gloria«. »Peer") durchsetzte, florierten die Geschäfte immer besser. Nach mehreren Betriebserweiterungen und Fabrikzukäufen eroberten sich die Bremer Schritt für Schritt einen Marktanteil von 21,7 Prozent (BAT: 28,5 Prozent. Reemtsma: 40 Prozent).

Seit kurzem hat die Brinkmann AG sogar einen Umsatz-Milliardär: die Erfolgsmarke Lord Extra. von der die Tabakbosse pro Monat durchschnittlich 1,15 Milliarden Zigaretten verkaufen. Übertroffen wird die Bremer Zigarette nur von BAT-Spitzenreiter HB mit einem Monatsabsatz von rund zwei Milliarden Stück.

In den Büros der Brinkmann-Zigarettenzentrale am feinen Hamburger Neuen Jungfernstieg löste die Nachricht von Ruperts Machtübernahme Unruhe aus. Insider sind sicher, daß der neue Chef, dem die »Business Times« einen »schöpferischen Genius und große physiche Arbeitskraft« nachsagt, das deutsche Management scharf an die Kandare nehmen wird. Ein Brinkmann-Angestellter: »In den oberen Etagen werden wohl einige Herren Ihren Sessel räumen müssen.«

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