Sommer-Theater: Interne Lösung immer wahrscheinlicher - DER SPIEGEL
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Sommer-Theater Interne Lösung immer wahrscheinlicher

Nach Protesten von Teilen der Belegschaft und Absagen externer Kandidaten wird wahrscheinlicher, dass Ron Sommers Nachfolger aus den eigenen Reihen kommt. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Technikvorstand Gerd Tenzer. Bundeskanzler Schröder steht wegen des zähen Gerangels unter Beschuss.
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Berlin/Bonn - Vorstandschef Ron Sommer hat im Kampf um seinen Job einige Punkte sammeln können. Den als Offenen Brief "an die politisch Verantwortlichen" bezeichneten Anzeigentext, der am Freitag in Zeitungen erschien, haben laut Telekom mehr als 18.000 Mitarbeiter unterzeichnet. Damit bleiben indes rund 100.000 Beschäftigte, die nicht unterschrieben haben. Auch hat die Anzeigenkampagne Kritik provoziert, weil sie aus dem Etat der Mitarbeiterkommunikation finanziert wurde. Ein Sprecher wollte nicht sagen, welchen Preis der Konzern bezahlt hat.

Möglich ist, dass die Kampagne vor allem eins bewirkt hat: Die "externe Lösung" für die Kandidatenfrage, die zunächst als wahrscheinlich galt, ist offenbar vom Tisch. Mit TUI-Chef Michael Frenzel hat am Freitag ein weiterer konzernfremder Kandidat öffentlich abgesagt. Frenzel, dem Kanzler aus seiner Zeit als Ministerpräsident in Hannover bestens bekannt, soll neben Gerhard Cromme von ThyssenKrupp und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf der Favoriten-Liste des Kanzlers gestanden haben. In Medienberichten hieß es immer wieder, Schröder bevorzuge einen externen Sanierer, der die Telekom unvoreingenommen unkrempeln solle. Das aber missfällt den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat.

So brachte Rüdiger Schulze von der Gewerkschaft ver.di, der Vizechef des Telekom-Aufsichtsgremiums, eine Neubesetzung des Führungspostens aus den eigenen Reihen ins Spiel. Im Falle eines Abganges Sommers, dem bis heute keine Fehler nachzuweisen seien, seien weder Frenzel noch DaimlerChrysler-Vorstand Klaus Mangold eine Alternative.

So scheinen die Chancen für Technikvorstand Gerd Tenzer zu wachsen. Der Fernsehsender n-tv meldete bereits, Tenzer solle Sommer als Interims-Vorstandschef nachfolgen. Zuvor allerdings hatte der Sender noch berichtet, Tenzer solle zusammen mit Finanzchef Karl-Gerhard Eick nur die eine Hälfte einer Interims-Doppelspitze bilden. Weder die Bundesregierung noch das Unternehmen nahmen zu der Meldung Stellung.

Verwirrung löste auch die Meldung der "Tagesschau" aus, wonach das Präsidium des Aufsichtsrats noch am Freitagabend eine Personalentscheidung fällen wolle. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete demgegenüber unter Berufung auf Unternehmenskreise, am Abend gebe es definitiv keine Sitzung des Gremiums und es gebe auch noch keinen Kandidaten.

Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber kritisierte derweil am Freitag die Hektik, mit der personelle Konsequenzen diskutiert würden. Das schade dem internationalen Ansehen des Konzerns. Schröder habe in Sachen Telekom längst seinen Anspruch als Verfechter der sozialen Gerechtigkeit verwirkt.

Nach Einschätzung von Analysten hat sich die Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib Sommers am Freitag erhöht. "Die Chancen von Sommer steigen von Stunde zu Stunde, dass er weiter Vorstandsvorsitzender bleibt", sagte Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Die Position der Bundesregierung sehen Analysten dagegen als zunehmend geschwächt an. Bei ihrer Suche nach einem "guten auswärtigen Kandidaten" liefere die Regierung eine "superpeinliche" Vorstellung. Nach dem "Problem Sommer" sehe es derzeit zunehmend nach einem "Problem Schröder" aus, sagte Rothauge.

Schröder selbst bestritt, dass er eine Absetzung Sommers betreibe, und betonte wie das Finanzministerium die Verantwortung des Aufsichtsrats für die Personalentscheidung. "Der Vorstand braucht das Vertrauen vom Aufsichtsrat und dies muss geklärt werden", fügte Schröder vieldeutig hinzu. Ein Sprecher des Finanzministeriums wies jede Kritik am Vorgehen der Regierung zurück: "Ich stelle einmal fest, dass wir unserer Treuepflicht gegenüber dem Unternehmen bislang nachgekommen sind".

Dem Aktienkurs bekam die Diskussion. Das Telekom-Papier legte wie schon in den Tagen zuvor zu und schloss am Abend bei 12,14 Euro, ein Plus von 4,6 Prozent. Seit dem Allzeittief von 8,14 Euro am 26. Juni hat die T-Aktie um inzwischen wieder gut 50 Prozent an Wert gewonnen, liegt aber immer noch unter ihrem Ausgabekurs von 14,47 Euro. Zur leichten Erholung beigetragen haben dürften die sich abzeichnenden relativ guten Halbjahreszahlen und Perspektiven, die sich aus einer Partnerschaft der US-Mobilfunktochter VoiceStream mit einem der größeren US-Mobilfunkunternehmen ergeben könnten.