Sonic Cruiser Boeings Papierflieger stürzt ab
New York "Von Anfang an war klar, dass der Sonic Cruiser nur dann Wirklichkeit wird, wenn es Leute gibt, die bereit sind, mehr zu zahlen, um mit einem schnelleren Flugzeug zu fliegen", zitiert das "Wall Street Journal" (WSJ) eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Die Antwort auf diese Frage sei im Moment ein ganz klares "Nein".
Im März 2001 hatte Boeing die Entwicklung des Sonic Cruisers angekündigt. Zum damaligen Zeitpunkt eine Marketingstrategie, um den europäischen Konkurrenten Airbus auf die Plätze zu verweisen. Airbus gewann gerade die ersten Kunden für den Riesen-Airbus A380 mit 555 Plätzen, während die Pläne des US-Konzerns für einen Super-Jumbo-Jet in Nachfolge der Boeing 747 floppten. Seit Bekanntgabe der Boeing-Pläne hatte Airbus mehrfach erklärt, man sei davon überzeugt, dass der Sonic Cruiser ein "Papierflieger" bleiben werde, der niemals zum Bau komme.
Boeing plante jedoch, mit dem Sonic Cruiser eine neue Flugzeuggeneration einzuleiten. Mit seinen nach hinten verlagerten Tragflächen und den innovativen Frontflossen sollte die Maschine nahe an der Schallgeschwindigkeitsgrenze fliegen und hauptsächlich Geschäftsleute bei Transatlantikflügen schnell ans Ziel bringen.
Nach Angaben des "WSJ" hatten Experten seit Monaten auf diesen Schritt von Boeing gewartet. Angesichts der aktuellen Luftfahrtkrise seien die Fluggesellschaften nicht mehr bereit, für die schnellere Atlantiküberquerung höhere Betriebskosten in Kauf zu nehmen, die sie auf ihre Kunden umlegen müssten. Bereits im Juni hatte Boeing eingeräumt, die Pläne für den futuristisch aussehenden Sonic Cruiser zu Gunsten eines besonders wirtschaftlichen Flugzeugs neu zu überdenken.
Immer wieder hatte es laut der Zeitung Hinweise aus der Führungsetage des US-Konzerns gegeben, dass das Sonic-Cruiser-Programm dem Einbruch der Flugbranche zum Opfer fallen werde. Erst kürzlich hatte die an dem Hochgeschwindigkeits-Jet stark interessierte Fluggesellschaft United Airlines einen Insolvenzantrag stellen müssen.
Alan Mulally, Leiter der zivilen Luftsparte bei Boeing, habe in den vergangenen Monaten intensive Gesprächen mit Kaufinteressenten geführt, schreibt das "WSJ". Übereinstimmend hätten die meisten Fluggesellschaften erklärt, dass sie vom Sonic Cruiser zwar beeindruckt seien, aber eigentlich ein wesentlich günstiger zu betreibendes Flugzeug gebrauchen könnten.
Nach mehreren Tests habe Boeing schließlich einsehen müssen, dass die Wirtschaftlichkeit bei Flügen nahe der Schallgeschwindigkeit auf der Strecke bleibe, so der Zeitungsbericht. An Stelle des Sonic Cruisers wolle der Konzern nun ein wirtschaftlicheres Nachfolgemodell der Boeing 767 bauen. Dieses Modell solle in der Herstellung günstiger sein, ein geringeres Gewicht haben und weniger Kraftstoff verbrauchen. Das neue Flugzeug mit 250 Sitzen werde auch bis zu 20 Prozent günstiger zu betreiben sein. Boeing hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.
Nach Angaben des Blattes ließ der US-Konzern bislang nicht verlauten, wie viel er in die Forschung am Sonic Cruiser investiert habe. Die getestete Technologie könne jedoch auch bei dem nun geplanten Flugzeugmodell zum Einsatz kommen. Die erste dieser Maschinen solle laut Boeing 2008 an die Käufer ausgeliefert werden können. Analysten rechnen damit, dass es bis zu zehn Milliarden kosten werde, das neue "ultraeffiziente" Flugzeug zu entwickeln, berichtet das "WSJ".
Erste Baupläne des "Super-Efficiency-Airplane" werde Boeing allerdings nicht vor dem nächsten Jahr veröffentlichen. An dem Entwicklungsprogramm beteiligte Ingenieure sagen laut der Zeitung, das Flugzeug werde den Maschinen ähneln, die bereits in Betrieb sind. Ein Angestellter der Luftfahrtindustrie erklärte gegenüber der Zeitung, in Sachen Wirtschaftlichkeit werde es "atemberaubend" sein.
Trotz Luftfahrtkrise gehen Boeing und auch Konkurrent Airbus laut "WSJ" davon aus, dass die Fluggesellschaften weltweit in den nächsten 20 Jahren rund 3300 Maschinen mit 200 bis 300 Plätzen benötigen werden.