Statistik 16 Millionen Deutsche fühlen sich arm
Suppenküche in Hannover: Statistik in der Kritik
Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpaWiesbaden - Arm und sozial ausgegrenzt - so fühlen sich rund 16 Millionen Menschen in Deutschland. Das ist etwa jeder fünfte Deutsche. Diese Zahlen aus der Erhebung "Leben in Europa 2011" veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag.
Die EU hat den Indikator eingeführt, um die Fortschritte der Sozialpolitik bei der Verminderung von Armut und sozialer Ausgrenzung in der EU zu messen. Arm oder ausgegrenzt sind nach der Definition der EU, wenn bei den befragten Haushalten eines oder mehrere der drei folgenden Kriterien vorliegen:
- Armutsgefährdung
- erhebliche materielle Entbehrung
- Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung
Das bedeutet der Erhebung zufolge, dass die Betroffenen aus finanziellen Gründen beispielsweise ihre laufenden Rechnungen nicht begleichen können, nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einnehmen, keine notwendigen Anschaffungen tätigen, nicht in den Urlaub fahren oder sich keinen Pkw leisten können.
Frauen waren mit einer Quote von 21,3 Prozent im Jahr 2011 häufiger von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen als Männer (18,5 Prozent). Während die unter 18-Jährigen mit einer Quote von 19,9 Prozent dem Bundesdurchschnitt entsprachen, waren ältere Menschen ab 65 Jahren seltener (15,3 Prozent) und Personen zwischen 18 und 64 Jahren häufiger (21,3 Prozent) betroffen.
Erst vor wenigen Tagen hatte das Statistische Bundesamt Zahlen zur Armutsgefährdungsquote veröffentlicht. Demnach waren 2010 fast 16 Prozent aller Einwohner Deutschlands armutsgefährdet. Zu dieser Gruppe zählte, wer inklusive staatlicher Leistungen weniger als 60 Prozent des nationalen Durchschnitts (Median) verdient - in Deutschland sind das bei Singles 952 Euro oder weniger im Monat.
Allerdings stößt die Erhebung auf massive Kritik. So müssten auch in einem Land, in dem alle Menschen Millionäre wären, einige Superreiche wohl notgedrungen mit weniger als 60 Prozent des Median auskommen, kritisiert etwa der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer.