Streit mit Kassen Ärzte lassen Honorarverhandlungen platzen
Ärzte: Der Ärger über das Honorarplus ist groß
Foto: Jens Wolf/ picture alliance / dpaBerlin - Die Spitzenvertreter der Ärzte haben die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen überraschend abgebrochen. Damit wollen sie dem Ärger der Mediziner gegenüber dem GKV-Verband Ausdruck verleihen.
"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Verhandlungen geplatzt", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Köhler. Zunächst solle in kleiner Runde mit den Kassen informell die Lage geklärt werden, dann könne eventuell weiterverhandelt werden.
Bisheriger Verhandlungsstand ist eine Erhöhung des Honorars für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten um 0,9 Prozent oder rund 270 Millionen Euro. Pro Arzt wären das 1800 Euro mehr. Dies hatte ein Schlichterspruch ergeben. Ihm hatten allerdings nur die Kassen und der Schlichter, der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem, zugestimmt. Die Ärzte hatten dagegen votiert. Sie fordern 3,5 Milliarden Euro mehr - ein Plus von rund elf Prozent.
Nach Ansicht der Ärzte würde die geplante Honorarerhöhung einen realen Einkommensverlust in Höhe von zehn Prozent bedeuten. Dadurch werde die Aufrechterhaltung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung gefährdet, warnten sie. Zahlreiche Ärzteverbände hatten mit massiven Protesten und Praxisschließungen gedroht, sollte das Verhandlungsergebnis nicht nachgebessert werden.
Bahr nimmt Ärzte in Schutz
Die KBV will gegen den Beschluss am Montag Klage beim Sozialgericht Berlin-Brandenburg einreichen. Zunächst wurde am Donnerstag nur der Preis der ärztlichen Leistung festgelegt. Über die Menge sollte erst noch gesprochen werden. Das könnte das Honorarplus noch einmal deutlich steigern. Auch hier geht es um Hunderte Millionen Euro.
Gesundheitsminister Daniel Bahr nahm die Ärzte am Montag in Schutz. "Die Kassen haben mit ihren überzogenen Kürzungsforderungen den Unmut der Ärzte erzeugt", sagte Bahr der "Bild"-Zeitung. "Wenn es zu Praxisschließungen kommt, dann liegt die Verantwortung bei Ärzten und Kassen."