Kinder und Jugendliche greifen vermehrt zu Energydrinks - DER SPIEGEL
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Umfrage Kinder und Jugendliche greifen vermehrt zu Energydrinks

Junge Menschen trinken häufiger koffeinhaltige Energydrinks. Experten warnen vor gesundheitlichen Folgen – und bringen das Konsumverhalten mit sozialer Herkunft in Verbindung.
Energydrinks (Symbolbild)
Energydrinks (Symbolbild)

Energydrinks (Symbolbild)

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Der Koffeinkick aus der Dose ist bei Kindern und Jugendlichen offenbar immer beliebter. Im »Deutschen Ärzteblatt International« erschienene Umfragedaten  zeigen, dass der monatliche Konsum von Energydrinks in den vergangenen Jahren bei Schülerinnen und Schülern zugenommen hat. Von den befragten Kindern tranken demnach zuletzt 13 Prozent mindestens einmal im Monat Energydrinks, in der ersten berücksichtigten Erhebung 2020/21 waren es knapp zehn Prozent.

Bei den Jugendlichen stieg der Anteil laut Bericht von 25 auf 33 Prozent. Generell machten schon viele Erfahrungen mit dem koffeinhaltigen Getränk: So haben 46 Prozent der befragten Neun- bis Zwölfjährigen und 72 Prozent der 13- bis 15-Jährigen bereits Energydrinks konsumiert, hieß es. Häufig solche Produkte zu trinken, könne gravierende gesundheitliche Folgen haben, warnen Experten.

Julia Hansen, Clemens Neumann und Reiner Hanewinkel von der Forschungseinrichtung IFT-Nord in Kiel hatten für ihren Beitrag Daten des DAK-Präventionsradars  für die Schuljahre 2020/21 bis 2025/26 ausgewertet. Insgesamt wurden Angaben von mehr als 107.000 Schülerinnen und Schülern unter 16 Jahren aus 15 Bundesländern ausgewertet.

Gesetzliche Obergrenze wird ausgenutzt

Die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung sieht eine Maximalgrenze von 320 Milligramm Koffein pro Liter vor. Eine marktübliche 500-Milliliter-Dose enthält den »Ärzteblatt«-Autoren zufolge häufig die gesetzliche Obergrenze von 160 Milligramm Koffein sowie etwa 55 Gramm Zucker. Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist bei Kindern ein Konsum von maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag wahrscheinlich unbedenklich, bei 50 Kilogramm Gewicht wären das 150 Milligramm.

Täglicher Energydrink-Konsum war der Befragung zufolge eng mit dem Konsum von Nikotin verbunden. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten genutzt hatten, wiesen eine 2,4-fach höhere Rate täglichen Energydrink-Konsums auf als Jugendliche ohne Nikotinkonsum. Auch Alkohol- und Cannabiskonsum, höhere Risikobereitschaft, mehr Bildschirmzeit sowie Aufmerksamkeits- und emotionale Probleme standen mit täglichem Konsum in Zusammenhang.

Bei Schülerinnen und Schülern an Gymnasien war täglicher Energydrink-Konsum der Auswertung zufolge deutlich seltener als bei Kindern an anderen Schulformen. Laut Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda könnten die Unterschiede nach Schulform als Hinweis auf soziale Unterschiede im Konsum verstanden werden.

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Auch der Einfluss von Eltern konnte den Konsum beeinflussen. Ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigte sich nicht.

Verkaufs- und Werbeeinschränkungen

Hansen, Neumann und Hanewinkel empfehlen neben Maßnahmen zur Verhaltensprävention strengere Regeln für den Verkauf und das Bewerben von Energydrinks. Besonders die Vermarktung über Influencer und soziale Medien könne den Konsum bei Jugendlichen fördern.

In anderen Ländern wurden Energydrinks bereits stärker reguliert: In Litauen, Lettland und Polen dürfen sie nur noch an Kunden ab 18 Jahren verkauft werden. In Norwegen gilt ein Verkaufsverbot an unter 16-Jährige.

Anmerkung der Redaktion: Es wurde nachträglich präzisiert, dass die im »Deutschen Ärzteblatt International« erschienene Arbeit auf Daten des Präventionsradar der DAK beruht.

jhg/dpa