Seitenwechsel Allianz engagiert langjährigen EU-Parlamentarier
Ex-EU-Parlamentarier Skinner: Wechsel mit Geschmäckle
Foto: GERARD CERLES/ AFPBerlin - Nach zwanzig Jahren als EU-Abgeordneter wagt der Brite Peter Skinner den Schritt in die freie Wirtschaft. Nach Informationen der Organisation Lobbycontrol tritt der Sozialdemokrat schon bald einen Job als Berater bei dem Finanz- und Versicherungskonzern Allianz SE an . Aus Sicht der Korruptionswächter ein Wechsel mit Geschmäckle. Denn Skinner war im EU-Parlament mehr als 15 Jahre lang Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung (Econ) und somit maßgeblich beteiligt an Gesetzgebungsprozessen zur Regulierung der Finanzmärkte - insbesondere auch des Versicherungswesens.
Auch die sogenannte Solvency-II-Richtlinie formulierte der Brite mit. Sie regelt unter anderem die Mindestkapitalanforderung von Versicherungsunternehmen und deren Risikomanagement. Der Grüne-Europaabgeordnete Sven Giegold hatte Skinner danach als "engsten Verbündeten der Versicherungslobby" bezeichnet , weil die Richtlinie den Unternehmen viel zu viel Spielraum lasse.
Skinner wechsle nun in genau die Branche, für die er jahrelang die Rahmenbedingungen mit geschaffen habe, kritisiert Lobbycontrol. Mit dem Briten wechselt bereits der dritte Ex-Politiker zu dem Münchener Konzern. Im September hatte Ex-Gesundheitsminister Bahr bei der Allianz Private Krankenversicherung angeheuert. Die ehemalige Staatssekretärin Birgit Grundmann bekam einen Posten als Cheflobbyistin der Allianz Deutschland.
Lobbycontrol konfrontierte die Allianz mit Skinners Wechsel. Demnach erklärte das Unternehmen, Skinners Rolle bei der europäischen Versicherungsregulierung während seiner Zeit als EU-Abgeordneter sei für seinen neuen Beraterjob nur von geringer Bedeutung. Skinner sei auch dazu angehalten worden, ein Jahr lang keinen Kontakt zur EU-Kommission oder dem EU-Parlament aufzunehmen. In Zukunft solle diese freiwillige Abkühlphase für alle ehemaligen Politiker gelten, die die Allianz als Lobbyisten anwerbe.