Rekordauktion Deutschland bekommt Geld zu Minizinsen
Bundesfinanzministerium in Berlin: Gute Zeiten für neue Kredite
Foto: JAN BAUER/ ASSOCIATED PRESSFrankfurt am Main - 1,77 Prozent Zinsen für zehn Jahre - von solchen Konditionen können Hausbauer und andere Privatleute nur träumen. Auch die meisten Staaten müssen deutlich mehr zahlen, wenn sie sich frisches Geld am Kapitalmarkt leihen. Doch für Deutschland gelten derzeit besondere Gesetze: Das Land gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen in Zeiten der Krise.
Deshalb zahlt der Bund für langfristige Darlehen derzeit so niedrige Zinsen wie noch nie zuvor. 1,75 Prozent hatte er den Anlegern am Mittwoch für eine zehnjährige Bundesanleihe geboten. Am Ende musste er leicht drauflegen: Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,77 Prozent. Doch auch das ist immer noch ein Rekordwert, wie ein Sprecher der Finanzagentur des Bundes auf Nachfrage bestätigte.
Die Anleihen, die im Juli 2022 fällig werden, brachten dem Bund 3,87 Milliarden Euro ein, und damit weniger als die ursprünglich angepeilten fünf Milliarden Euro. Offenbar habe man den Zinssatz etwas zu niedrig angesetzt, um die volle Summe zu erhalten, hieß es von Anleihehändlern.
EZB könnte Anleihekäufe wieder aufnehmen
Wegen der Euro-Schuldenkrise sind die als besonders sicher geltenden deutschen Staatsanleihen bei Anlegern stark gefragt. Das sorgte zuletzt für immer geringere Renditen bei Bundesanleihen. Für Papiere mit kürzerer Laufzeit hatte Deutschland sogar Geld zum Nulltarif bekommen. Im Gegenzug stiegen die Risikoaufschläge für italienische und spanische Papiere wieder an. Italien musste am Mittwoch für Anleihen im Wert von acht Milliarden Euro und einer Laufzeit von zwölf Monaten mit 2,84 Prozent mehr als doppelt so hohe Zinsen zahlen als im vergangenen Monat.
Im Vergleich zum Vortag entspannte sich die Lage am Mittwoch allerdings etwas. Die Renditen für zehnjährige Anleihen aus Spanien, die am Dienstag noch bei knapp sechs Prozent gelegen hatten, gingen spürbar zurück. Grund dafür war eine Ankündigung aus der Europäischen Zentralbank (EZB): Deren Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hatte am Mittwochmorgen in Aussicht gestellt, die Notenbank könne das derzeit ruhende Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen.
"Wir haben mit dem Anleihekaufprogramm ein Instrument, das derzeit nicht genutzt wird, aber nach wie vor existiert", sagte der Franzose. Die gestiegenen Risikoprämien für spanische Anleihen seien "nicht gerechtfertigt", warnte Coeuré. "Spanien zeigt, wie nervös die Märkte derzeit sind. Wenn man jedoch auf die Fundamentaldaten schaut, gibt es keinen Grund, warum sich die Situation nicht normalisieren sollte."
Die EZB hat in den vergangenen acht Wochen bis auf eine Ausnahme keine Anleihen mehr aus Schuldenstaaten am Sekundärmarkt erworben. Zuvor hatte sie seit Mai 2010 Papiere von Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien für mehr als 200 Milliarden Euro gekauft und die Zinsen für die Länder auf diese Weise künstlich gedrückt.