Schwächelndes Wachstum China verspricht rasche Reform des Finanzsektors
Skyline von Shanghai: Gewaltige Reformen nötig
Foto: Feng Li/ Getty ImagesPeking - Chinas Regierung will die Reform seines Finanzsektors schneller als erwartet vorantreiben. Zwei zentrale Maßnahmen nannte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking.
- Man wolle erstens die Liberalisierung der Zinsen für Sparkonten schneller als erwartet vorantreiben. "Ich persönlich denke, dass es sehr wahrscheinlich schon in ein bis zwei Jahren realisiert wird", sagte Zhou. Durch die Flexibilisierung soll es für die Bürger attraktiver werden, ihr Geld in sichere Anlagen zu investieren. Derzeit sind die Zinsen in einem engen Band staatlich festgelegt - dieses lag zeitweise unter der Inflationsrate. Viele Anleger flüchten wegen unattraktiver Zinsen in die Zockerei mit Aktien, Immobilien, Kunst oder Jade.
- China werde zweitens die Flexibilität seiner Währung Yuan vorantreiben, versprach Zhou. Das soll ihren Einsatz als Abrechnungswährung im internationalen Handel vorantreiben. Als nächster Schritt sei eine Lockerung der Kontrollen im grenzüberschreitenden Kapitalverkehr denkbar, sagte Zhou.
Die angekündigten Finanzreformen sind Teil eines größeren Umbaus von Chinas Wirtschaft. Das Turbo-Wachstum der vergangenen Jahre war maßgeblich von lockerer Kreditvergabe und billigem Geld getrieben. Doch nun stößt es an seine Grenzen. Denn die Verschuldung von Staatsfirmen und Provinzen hat bedenklich zugenommen und wird zu einem immer größeren Problem für die Zentralregierung in Peking. Die Zentralbank hatte zuletzt reagiert und fast sechs Milliarden Euro aus dem Geldmarkt abgesaugt.
Das Wirtschaftswachstum des 1,3-Milliarden-Menschen-Staats ist zuletzt deutlich abgeflaut. Die Regierung in Peking versucht, es zu stabilisieren, indem es einen Konsumboom im Land entfacht. Präsident Xi Jinping hat die Reform zur Chefsache gemacht. China-Kenner sind dennoch skeptisch, ob ihm die nötige Reform schnell genug gelingt. Denn die Widerstände sind groß.
Merkwürdiger Wertverfall beim Yuan
Der Yuan-Kurs hatte zuletzt auffällige Ausschläge verbucht. Ende Februar verlor er gegenüber dem amerikanischen Dollar binnen eines Tages fast ein Prozent an Wert . Über den gesamten Februar hatte der Yuan sogar den stärksten Verlust erlitten, seitdem die fixe Bindung an den Dollar im Jahr 2005 erstmals gelockert wurde.
Händler vermuten hinter der Abschwächung ein Eingreifen der Zentralbank. Denn erstens stimuliert ein niedriger Yuan-Kurs Chinas Exporte. Zweitens verschreckt er Spekulanten, die auf eine weitere Aufwertung setzen und viel "heißes Geld" ins Land schleusen. Die Geldschwemme erschwert die Bemühungen der Regierung, die Risiken durch den aufgeblähten Immobilienmarkt, das Kreditwachstum und das Schattenbankenwesen einzudämmen.
Zhou wies die Darstellung der Händler zurück. Die Anpassung sei "normal"; hinter der Fluktuation im Wechselkurs steckten Marktkräfte.