Deutschland: 2018 können nicht so viele Wohnungen entstehen wie nötig - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wohnungsmangel Bauboom, aber es reicht nicht

In diesem Jahr werden voraussichtlich doppelt so viele Wohnungen entstehen wie 2010. Doch selbst das reicht nicht an den eigentlichen Bedarf heran.
Neue Wohnhäuser in Rostock-Warnemünde
Neue Wohnhäuser in Rostock-Warnemünde

Neue Wohnhäuser in Rostock-Warnemünde

Foto: Jens Büttner/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Wohnungsbau in Deutschland kommt nicht so schnell voran, wie von der Bauwirtschaft erhofft. "Wir rechnen damit, im vergangenen Jahr insgesamt gut 300.000 Wohneinheiten fertiggestellt zu haben", sagte Hans-Hartwig Loewenstein vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes in Berlin. 2018 könnten rund 320.000 neue Wohnungen entstehen. Das seien doppelt so viele wie 2010 - und reiche dennoch nicht an den aktuellen Bedarf heran.

Vor allem in Ballungsgebieten sind Immobilien derzeit begehrt. Die Branche geht davon aus, dass es einen Markt für rund 350.000 neue Wohnungen pro Jahr gibt. Andere Experten etwa vom Münchner Ifo-Institut sehen sogar einen Bedarf von bis zu 400.000 Wohnungen. Dafür müssten aber Grundstücke und Investoren zur Verfügung stehen, sagte Peter Hübner vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Gute Wirtschaftslage und niedrige Zinsen treiben Bauboom an

Aber auch die Baubranche stößt langsam an ihre Grenzen. Viele Firmen seien gut ausgelastet und wollten neue Beschäftigte einstellen, berichteten die Verbände. Allerdings suchen die Betriebe mitunter lange nach Fachkräften - auf einen arbeitslosen Bauingenieur kämen mittlerweile zwei offene Stellen, sagte Hübner.

Die gute Wirtschaftslage und die niedrigen Zinsen treiben die Geschäfte auf dem Bau an. Die Branche erwartet dieses Jahr einen Umsatz von rund 117,2 Milliarden Euro - ein Plus von 4 Prozent im Vergleich zu 2017. Allerdings gehen die erwarteten Mehreinnahmen vor allem auf höhere Preise zurück: Die könnten um 3,5 Prozent steigen.

Dass sich heute nur noch Gutverdiener Eigentumswohnungen in Berlin, Köln oder Frankfurt leisten könnten, liege aber nicht an Baupreisen, sagte Hübner. Maßgeblich seien vielmehr knappe Grundstücke, die immer teurer würden. Die Kommunen müssten daher bei der Ausweisung von Bauland umdenken. Zudem seien die gesetzlichen Anforderungen höher, etwa die Energievorschriften. "Also wir dämmen uns ja heute fast zu Tode bei diesen Häusern", sagte Hübner.

bam/dpa

Mehr lesen über