Deutschland: Diese Regionen sind besonders strukturschwach - DER SPIEGEL
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Ungleichheit in Deutschland Diese Regionen sind besonders strukturschwach

Schwache Wirtschaft, schlechte Infrastruktur, wachsende Überalterung: 19 deutsche Regionen haben laut einer Studie bedenkliche Strukturmängel - obwohl die Politik sie teils seit Jahrzehnten fördert.
Sanierungsbedürftige Häuser im Duisburger Stadtteil Bruckhausen (Archivbild)
Sanierungsbedürftige Häuser im Duisburger Stadtteil Bruckhausen (Archivbild)

Sanierungsbedürftige Häuser im Duisburger Stadtteil Bruckhausen (Archivbild)

Foto: imago images/wrongside pictures
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Die Bundesrepublik Deutschland hat ein Gerechtigkeitsproblem: Die regionale Ungleichheit wächst, und zwar seit Langem - obwohl im Grundgesetz steht , dass die Regierung eigentlich überall in der Republik gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen soll. Eine Studie , die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit Wissenschaftlern vier deutscher Hochschulen erstellt hat, zeigt nun das ganze Ausmaß dieses Problems.

19 von insgesamt 96 deutschen Regionen haben demnach bedenkliche strukturelle Probleme. Längst nicht alle liegen in Ostdeutschland oder auf dem platten Land. Auch dicht besiedelte urbane Regionen wie das Ruhrgebiet und das Saarland geben demnach Anlass zur Sorge.

Die Datenbasis, auf die sich die Studie stützt, ist besonders umfassend. Während andere Erhebungen zu Strukturschwäche sich oft auf einzelne Teilbereiche fokussieren, bezieht das Team ums IW eine größere Bandbreite von Indikatoren in seine Analyse ein.

Die Indikatoren der IW-Studie

Der Zeitraum, über den die Entwicklung der Regionen analysiert wird, ist zudem relativ lang. Ausgangsjahr ist bei allen Indikatoren das Jahr 2011, um Verzerrungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise zu umgehen. Je nach Datenverfügbarkeit wurde die Entwicklung der einzelnen Teilbereiche dann bis zu den Jahren 2015 bis 2017 betrachtet.

Die zentrale Erkenntnis der Studie ist besorgniserregend. Eine bei allen Indikatoren gleichermaßen abgehängte Region gibt es demnach zwar noch nicht, ebenso wenig das oft zitierte Stadt-Land-Gefälle.

Dafür gebe es umso mehr Regionen, die in einem oder gleich mehreren Teilbereichen erhebliche strukturelle Mängel aufweisen. Und das, obwohl die betroffenen Regionen zum Teil seit Jahrzehnten von der Regierung gefördert werden.

  • Mit Blick auf die regionale Wirtschaft gibt es vor allem in Westdeutschland Probleme. Besonders düster sieht es in Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven aus.
  • Ostdeutschland hat das größte Demografieproblem. Die Regionen Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ost- und Südthüringen weisen ein hohes Durchschnittsalter der Bevölkerung auf, das in den vergangenen Jahren obendrein überproportional gestiegen ist.
  • Bei der Infrastruktur gibt es deutschlandweit Probleme. Die westdeutschen Regionen Emscher-Lippe, Trier und Westpfalz plagen besonders hohe Verschuldungsquoten; in den ostdeutschen Regionen Altmark, Magdeburg und Halle/Saale ist die digitale Infrastruktur besonders unterentwickelt.

Die Autoren der Studie fordern, dass die Regionalpolitik grundsätzlich umgestellt wird, bislang werde sie allzu oft auf einfache Formeln heruntergebrochen. Dabei erweise sich das Prinzip Gießkanne nun schon seit Jahrzehnten als wenig wirksam.

Die Regionalpolitik habe es "mit einer differenzierten Situation zu tun, wo viele separate Prozesse gleichzeitig auftreten und wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf auf verschiedenen Ebenen nach sich ziehen", heißt es im Fazit der Studie.

Reportage

Mögliche Maßnahmen einer zielgenaueren Regionalpolitik könnten, je nach Problemfeld, zum Beispiel Schuldenerlasse für die Kommunen sein. Oder eine bessere Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement. Oder eine Verbesserung der Bildungsangebote. Oder ein konsequenter Netzausbau - sowohl in Form von Schienen als auch von Breitbandinternet.

Keine dieser Maßnahmen ist wirklich neu. Das Problem der Regionalpolitik sei eher, dass sie nicht passgenau genug arbeite, monieren die Experten. Das müsse sich dringend ändern. "Sonst werden die gesellschaftlichen Spannungen zunehmen, und es kann zu gefährlichen Abwärtsspiralen kommen."

ssu