Drohende Altersarmut Jeder Zweite geht mit weniger Geld in Frührente
Hände einer alten Frau: Warnung vor Altersarmut
Foto: Oliver Berg/ dpaMünchen - In wenigen Tagen startet die Rente mit 67. Vom 1. Januar an wird das Rentenalter bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Doch in der Realität geht der Trend keineswegs zum längeren Arbeiten. Im Gegenteil: Laut Statistiken der Deutschen Rentenversicherung gehen immer mehr Beschäftigte in Deutschland vorzeitig in den Ruhestand, meldet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Dafür nehmen die Betroffenen auch geringere Altersbezüge in Kauf.
2010 habe fast jeder zweite Neurentner Abschläge hingenommen, berichtet die Zeitung. Im vergangenen Jahr bezogen demnach knapp 674.000 Versicherte erstmals eine Altersrente. Davon hätten fast 320.000 (47,5 Prozent) eine geringere Rente hinnehmen müssen, weil sie nicht bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren gearbeitet haben. Fünf Jahre zuvor lag der Anteil der Frührentner demnach bei 41,2 Prozent, im Jahr 2000 waren es nur 14,5 Prozent.
Im Durchschnitt gingen die Frührentner drei Jahre und zwei Monate vorher in Ruhestand. Bei diesen Menschen fiel die Rente im Schnitt um monatlich 113 Euro geringer aus. Die Höhe der Abschläge habe damit im vorigen Jahrzehnt kräftig um knapp 80 Euro zugelegt, berichtete die Zeitung. Ein Rentner, der 45 Jahre lang das Durschnittseinkommen aller Versicherten bezogen habe, erhalte derzeit eine monatliche Rente von 1236 Euro.
Gewerkschaften und Sozialverbände befürchteten, dass sich das Problem der geringeren Bezüge mit der schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre vom neuen Jahr an vergrößern wird. "Die Gefahr von Altersarmut wird wachsen", sagte die Vorsitzende des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, der "SZ".
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht die Entwicklung mit Sorge. "Solange die Beschäftigten kaum eine Chance haben, bis 65 zu arbeiten, ist die Rente mit 67 ein reines Rentenkürzungsprogramm", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.
Laut "SZ" führt die Rentenversicherung den steigenden Anteil der Neurentner mit geringeren Bezügen vor allem auf zwei Faktoren zurück: einerseits auf die gesetzlichen Reformen und andererseits auf die demografisch bedingte Zunahme der Versicherten, die älter als 60 Jahre sind und eine vorgezogene Altersrente beziehen können.