Energiewende: Regierung will Ökostrom-Anbietern mehr Geld zuschanzen - DER SPIEGEL
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Energiewende Regierung will Ökostrom-Anbietern mehr Geld zuschanzen

Die schwarz-gelbe Koalition will den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 verdoppeln. Um das zu erreichen, sollen Anbieter von Ökostrom künftig noch mehr Geld bekommen. Doch statt sich zu freuen, mäkeln Vertreter der Branche bereits an den Plänen herum.
Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum: Vergütung soll deutlich steigen
Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum: Vergütung soll deutlich steigen

Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum: Vergütung soll deutlich steigen

Foto: Nigel Treblin/ dpa
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Berlin/Hamburg - Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif, so viel ist klar. Was der Atomausstieg Deutschland aber wirklich kostet, darüber streiten Lobbyisten der einzelnen Interessensgruppen erbittert. Etwas konkreter wird nun Umweltminister Norbert Röttgen. Der CDU-Mann plant eine umfassende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Das ist das zentrale Instrument für den Ausbau der Ökoenergie.

Deren Anteil soll von derzeit 17 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2020 steigen. Röttgen fordert deshalb, Strom aus Wind, Sonne und Biogas in Zukunft auch dann einzuspeisen, wenn die Nachfrage besonders groß ist. Bisher speisen Anbieter ihren Ökostrom nur dann ins Netz ein, wenn sie ihn erzeugen, Speichermöglichkeiten gibt es kaum.

Der Umweltminister will nun mit einer "optionalen Marktprämie" dafür sorgen, dass die Ökostrom-Hersteller stärker in Stromspeicher investieren. Das steht in einem Eckpunkte-Papier für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Mehrere Medien zitieren aus dem Dokument, darunter "Financial Times Deutschland" und das "Handelsblatt", auch SPIEGEL ONLINE liegt es vor.

Der Bericht dient der Bundesregierung als Grundlage für eine Entscheidung, die am 1. Januar 2012 in Kraft treten soll. Laut den Plänen soll die EEG-Anpassung bereits Mitte Juni Bundesrat und Bundestag passieren. Sie ist Teil des Konzepts für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie.

An den Grundprinzipien des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird dabei laut übereinstimmenden Berichten festgehalten: Strom aus erneuerbaren Quellen habe weiterhin Einspeisevorrang. Im Falle eines Überangebotes von Strom, also etwa bei starkem Wind, müssen zunächst Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke abgeschaltet werden, der Öko-Strom habe Vorrang.

Allerdings sollen den Informationen zufolge die Anreize steigen, die Anlagen marktorientiert zu betreiben. Dazu diene eine "optionale Marktprämie", die gegenüber bisherigen Regelungen den Anreiz erhöhen soll, den Strom wie konventionell erzeugten Strom zu vermarkten.

Ökobranche spricht von einem "teuren Placebo"

Die Marktprämie funktioniert wie folgt: Die Anbieter können ihren Strom direkt zu Marktpreisen verkaufen. Die Differenz zwischen der bisherigen garantierten Vergütung und dem durchschnittlichen Börsenpreis bekämen sie erstattet. Die "FTD" schreibt, wem es dann gelinge, seinen Ökostrom "zu einem überdurchschnittlichen Börsenpreis zu verkaufen", der könnte "zusätzlich Geld verdienen".

Bei Vertretern der Branche stoßen die Pläne aber keinesfalls auf Begeisterung: Sie sehen in der Marktprämie laut der Zeitung ein "teures Placebo". Viele Unternehmen würden die 200 bis 300 Millionen Euro Zusatzverdienst zwar gerne kassieren. Allerdings würden dadurch kaum Anreize gesetzt, in neue Speichertechnologie zu investieren. An der Börse könne man höchstens 0,5 bis 1 Cent zusätzlich verdienen, neue Speicher wären deutlich teurer. Der namentlich nicht genannte Branchenvertreter spricht sich deshalb in der "FTD" dafür aus, die Energiespeicher direkt zu subventionieren.

Die Pläne von Röttgen beschränken sich derweil nicht nur auf die Marktprämie: Der Umweltminister will zudem den Ausbau der Windenergie auf See und die Geothermie durch weitere finanzielle Anreize forcieren. Bei Windanlagen an Land und der Stromerzeugung durch Biomasse seien hingegen Kürzungen der Förderung geplant, berichtet die Zeitung.

Die Vergütungen für einzelne Formen der Energieerzeugung würden zur Durchsetzung dieser Ziele angehoben. Die Anfangsvergütung für neue Offshore-Windkraftanlagen beispielsweise solle von 13 auf 15 Cent je Kilowattstunde steigen. Zum Vergleich: Konventionell erzeugter Strom ist an der Leipziger Strombörse EEX für etwa 6,5 Cent zu haben.

cte/dpa-AFX