EU-Gipfel: Ökonom Sinn sieht Finanzstabilität Deutschlands in Gefahr - DER SPIEGEL
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Nach EU-Gipfel Ökonom Sinn sieht Finanzstabilität Deutschlands in Gefahr

Die Akteure an den Finanzmärkten bejubeln die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Euro-Krise - doch Ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnt: Deutschland müsse nun für die Schulden südeuropäischer Banken haften. Die finanzielle Stabilität sei dadurch gefährdet.
Ifo-Chef Sinn: "Die finanzielle Stabilität Deutschlands ist gefährdet"
Ifo-Chef Sinn: "Die finanzielle Stabilität Deutschlands ist gefährdet"

Ifo-Chef Sinn: "Die finanzielle Stabilität Deutschlands ist gefährdet"

Foto: A3923 Angelika Warmuth/ dpa
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Berlin/Düsseldorf - Die Kursgewinne an den globalen Börsen scheinen für die Beschlüsse des EU-Gipfels zu sprechen - Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sieht sie jedoch als Beleg für eine Gefährdung Deutschlands: Die Finanzmärkte seien nun beruhigt, ja geradezu euphorisch, weil ein Weg gefunden wurde, das deutsche Vermögen zu verbrauchen, sagte der Ökonom dem "Handelsblatt". Deutschland werde durch die Gipfel-Ergebnisse immer stärker in die Krise hineingezogen. Die Bundesrepublik stehe nun für die Rückzahlung der Schulden der südeuropäischen Banken ein.

Zwar räumte Sinn ein, dass es richtig gewesen sei, die Finanzmärkte zu beruhigen. Den Preis dafür hält der Ökonom laut dem Bericht jedoch für zu hoch: "Die finanzielle Stabilität Deutschlands ist indes gefährdet", warnte Sinn. Auf Bundeskanzlerin Angela Merkel sei vom Ausland mehr Druck ausgeübt worden, als je zuvor ein deutscher Kanzler nach dem Krieg habe aushalten müssen.

"Es wurde ein Kesseltreiben veranstaltet. Um an unser Geld zu kommen, hat man Deutschland imperiale Gelüste vorgeworfen und uns den Hass der Völker prophezeit", sagte Sinn der Zeitung. Dem Druck habe Merkel nicht mehr widerstehen können und sei eingeknickt. "Jetzt können die Bürger, an deren Vermögen man will, nur noch auf das Verfassungsgericht hoffen."

Auch der Verzicht der Vorrangstellung für den Euro-Rettungsschirm ESM ist Sinn zufolge ein Fehler. "Der Vorrang des Retters ist das Wesen einer jeden Konkursordnung", sagte er.

Vom ebenfalls beschlossenen Fiskalpakt hält Sinn dem Bericht zufolge wenig. Er sei kein Schutz vor Vermögensverlusten: "Der Pakt wird nur in Deutschland ernst genommen", sagte der Ökonom. "Er ist ein Placebo - wie seinerzeit der Stabilitäts- und Wachstumspakt." Ländern, denen der Kapitalmarkt misstraue, brauche man keine politischen Schuldengrenzen zu setzen. "Wenn man ihre Kreditaufnahme begrenzen will, reicht es, ihnen weniger öffentlichen Kredit zu geben."

fdi/Reuters/dapd