EU-Vorstoß: Brüderle lehnt Rente mit 70 ab - DER SPIEGEL
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EU-Vorstoß Brüderle lehnt Rente mit 70 ab

Die EU stößt mit ihren Plänen für eine Rente mit 70 bei Sozialverbänden und in der deutschen Politik auf Granit: Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) lehnt eine Anhebung entschieden ab. Ökonomen halten eine Neuregelung jedoch für unvermeidbar.
Senioren auf Parkbank: Tatsächliches Renteneintrittsalter bei unter 65 Jahren
Senioren auf Parkbank: Tatsächliches Renteneintrittsalter bei unter 65 Jahren

Senioren auf Parkbank: Tatsächliches Renteneintrittsalter bei unter 65 Jahren

Foto: dapd
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Frankfurt am Main - Alternde Gesellschaft, überlastetes Sozialsystem, überbordende Kosten: Der Vorstoß der EU-Kommission, das Renteneintrittsalter schrittweise auf 70 Jahre anzuheben, stößt in der deutschen Politik auf Widerstand. "Wir haben gerade erst begonnen, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre zu erhöhen", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dem "Hamburger Abendblatt". Er verstehe die Empfehlung der EU-Kommission lediglich als Aufforderung an die Länder, die diese Maßnahme noch nicht ergriffen haben.

Tatsächlich wird das deutsche Rentensystem derzeit massiv umgebaut. Bis 2030 soll das Eintrittsalter von 65 auf 67 Jahre angehoben werden. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt derzeit allerdings bei weit unter 65 Jahren.

Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) lehnt angesichts der laufenden Reform weitere Maßnahmen ab. Der Vorschlag sei wie bereits bei der Rente mit 67 nichts anderes als ein weiterer Versuch von Kürzungen der Altersbezüge durch die Hintertür, kritisierte Verbandspräsident Adolf Bauer in der "Rheinpfalz am Sonntag".

Sozialverband: Regierung darf sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen

Nur in den wenigsten Berufen seien die Beschäftigten in der Lage, die gesetzlich vorgeschriebene Lebensarbeitszeit voll auszunutzen und müssten erhebliche Abschläge in Kauf nehmen, sagte Bauer weiter. Nicht ohne Grund liege das tatsächliche Renteneintrittsalter gegenwärtig bei deutlich unter 65 Jahren. "Die Bundesregierung darf sich von Brüssel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen", fordert der Sozialverband.

Ökonomen halten den EU-Vorstoß dagegen für goldrichtig: Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, stuft die Rente mit 70 als unvermeidbar ein, wie er der "Saarbrücker Zeitung" sagte. Das Jahr 2060 sei aber dafür viel zu spät.

Die EU-Kommission hatte erklärt, sie halte eine Anhebung der Lebensarbeitszeit bis 2060 für notwendig, um die Rentensysteme in der Union zu sichern. Den dringendsten Reformbedarf gibt es demnach derzeit in Frankreich: Dort gehen Männer mit durchschnittlich 58,7 Jahren in Rente, dem niedrigsten Wert in der EU und OECD. Ende Juni wollen die zuständigen EU-Kommissare ein Grünbuch mit Ideen und Lösungsansätzen für die demografische Herausforderung vorlegen.

yes/apn