Überraschendes Minus Chinas Exporte brechen ein
Containerhafen in Shanghai: 0,3 Prozent weniger Ausfuhren als September 2012
Foto: CARLOS BARRIA/ ReutersPeking - Chinas Exportstatistik gleicht derzeit einer Zickzacklinie: Im September fielen die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt der chinesischen Zollbehörde zufolge um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Noch im Juli und August hatten die Exporte kräftig um 5,1 beziehungsweise 7,2 Prozent zugelegt. Analysten hatten auch für den September eine Steigerung der Ausfuhren von mehr als fünf Prozent erwartet. Die Einfuhren nach China stiegen dagegen mit einem Plus von 7,4 Prozent stark.
Damit kehrt die Sorge um den wichtigsten Treiber des weltweiten Wirtschaftswachstums zurück. Mit Spannung werden die offiziellen Konjunkturdaten für das dritte Quartal erwartet, die am kommenden Freitag veröffentlicht werden. Chinas Wirtschaft wuchs im ganzen Jahr 2012 nur noch um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so langsam wie seit 1999 nicht mehr. In diesem Jahr ist der Trend weiter rückläufig: Im ersten Quartal lag das Wachstum in China bei 7,7 Prozent, im zweiten Quartal nur noch bei 7,5 Prozent.
Notenbank sieht langfristiges Wachstum von sieben Prozent
Chinas Staatsführung verbreitet trotzdem Zuversicht. Die Wachstumsrate werde in diesem Jahr sogar über dem Regierungsziel von 7,5 Prozent liegen, sagte Notenbank-Vizechef Yi Gang laut Staatsmedien. Wirtschaftsindikatoren deuteten darauf hin, dass sich die Konjunktur erholt habe. Langfristig müsse sich China auf Wachstumsraten um sieben Prozent einstellen. Bereits am Donnerstag hatte Ministerpräsident Li Keqiang von einer stabilen Wirtschaftsentwicklung gesprochen.
Langfristig möchte China wirtschaftlich nicht mehr so stark auf Export angewiesen sein. Dazu sind jedoch noch weitrechende Reformen nötig, analysierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): "Chinas Wirtschaft hängt zu stark von den Ausfuhren und damit von der Lage anderer Länder ab." Das sei ein Grund für die geringeren Wachstumszahlen. "Infolge einer extrem lockeren Kreditvergabe der Staatsbanken ist zudem viel Geld in unprofitable Bereiche und staatliche Firmen geflossen", schrieben die Ökonomen.