EZB-Chef Draghi gibt erneut Entwarnung für Euro-Zone - DER SPIEGEL
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Krise am Finanzmarkt Euro-Banken vergeben wieder mehr Kredite

Es sind Anzeichen für eine leichte Entspannung. Banken im Euro-Raum haben das Kreditgeschäft nach Angaben von EZB-Chef Draghi ausgeweitet. Doch Unsicherheiten bleiben, noch brauchen einige Staaten Hilfe. Jetzt erwägt auch Deutschland eine deutliche Aufstockung beim Rettungsschirm.
EZB-Chef Draghi in Berlin: "Wir verfügen über alle nötigen Werkzeuge"
EZB-Chef Draghi in Berlin: "Wir verfügen über alle nötigen Werkzeuge"

EZB-Chef Draghi in Berlin: "Wir verfügen über alle nötigen Werkzeuge"

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP
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Berlin - Mario Draghi bleibt dabei: Die Lage auf Europas Finanzmärkten entspannt sich. "Die Bedingungen am Refinanzierungsmarkt für die Banken haben sich verbessert - wenn auch noch immer auf niedrigem Niveau", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montagabend beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken (BdB).

Laut Draghi konnten die Institute der Euro-Zone 2012 bereits eigene Anleihen zu einem deutlich höheren Wert am Markt unterbringen als in der gesamten zweiten Jahreshälfte 2011. Zugleich hätten sie in den ersten Monaten des Jahres bereits 70 Milliarden Euro an ungesicherten Krediten vergeben - ebenfalls mehr als im zweiten Halbjahr 2011. Dies sei ein Zeichen für die Stabilisierung der Euro-Zone, sagte der EZB-Chef.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Draghi gesagt, der Höhepunkt der Krise sei überwunden. Als Beleg nannte er die Tatsache, dass die EZB seit Wochen keine neuen Staatsanleihen zur Stützung kriselnder Euro-Länder mehr kaufen musste. Diese Käufe sind vor allem unter Vertretern der Bundesbank höchst umstritten. Sie fürchten durch die Erhöhung der Geldmenge mittelfristig eine deutlich steigende Inflation.

Draghis Gastgeber gaben sich mit Blick auf die Krise deutlich weniger optimistisch: Die Lage an den Finanzmärkten sei "noch immer weit von jeder Normalität entfernt", sagte BdB-Präsident Andreas Schmitz. "Auch die Zukunft der Euro-Zone bereitet uns nach wie vor schlaflose Nächte", fügte er hinzu. So wisse nicht einmal das Orakel von Delphi zu sagen, wie es um die Zukunft Griechenlands bestellt sei.

Auch Draghi betonte, es gebe noch keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Inflationssorgen trat er jedoch erneut deutlich entgegen. "Die Bürger der Währungsunion können sich sicher sein, dass unser Ziel ist, die Preisstabilität zu sichern und dass wir über alle nötigen Werkzeuge verfügen, dieses Ziel zu erreichen."

Die EZB hatte im Dezember und im Februar insgesamt etwa eine Billion Euro in den Bankensektor der Euro-Zone gepumpt. Hierfür stellte die Notenbank den Instituten Kredite über drei Jahre und zu einem besonders günstigen Zinssatz von einem Prozent zur Verfügung.

Auch die Politik wird sich noch lange mit den Krisenfolgen beschäftigen müssen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte am Montag erstmals offen, dass die Bundesregierung dem Druck der USA und vieler Euro-Staaten nachkommt und für die Euro-Rettungsschirme mehr Geld bereitstellt. Dazu könnten der dauerhafte Schirm ESM und sein Vorgänger EFSF einige Jahre parallel laufen, wodurch die bis zu 700 Milliarden Euro bereitstünden. Der SPIEGEL hatte zuvor bereits berichtet, dass Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dem Drängen anderer Länder nachgeben.

Laut Merkel könnten die Schirme so lange parallel laufen, bis die EFSF-Mittel "von den Programmländern zurückgezahlt sind". Die Laufzeiten der EFSF-Kredite betragen bis zu 30 Jahre. In der vergangenen Woche platzierte der Fonds erstmals eine Anleihe mit 20-jähriger Laufzeit.

dab/dpa/Reuters/dapd