Euro-Krise Griechischen Krankenkassen droht Kollaps
Protestierende Ärzte und Krankenschwestern: Aktion soll mindestens fünf Tage dauern
Foto: Petros Giannakouris/ ASSOCIATED PRESSAthen - Griechische Ärzte greifen in der Krise zu einem drastischen Mittel: Sie behandeln Patienten der größten staatlichen Krankenversicherung EOPYY nur noch gegen Barzahlung. Sie protestieren damit gegen die Zahlungsmoral der Kasse. Ein Ärzteverband erklärte, die Protestaktion werde mindestens fünf Tage dauern.
Viele Apotheker akzeptieren von ihren Kunden bereits seit Anfang des Jahres nur noch Bargeld. Diese müssen sich dann mit der Quittung an die Kasse wenden, um das Geld erstattet zu bekommen. Der griechische Staat schuldet Apothekern und Ärzten nach Angaben der Berufsverbände hohe Summen. Viele griechische Krankenkassen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Wegen der Rezession sind ihre Einnahmen um rund 40 Prozent eingebrochen.
Die Folgen der Krise werden in Griechenland immer dramatischer. Laut einem Bericht der größten Gewerkschaft des Landes GSEE haben Bezieher des Mindestlohns nur noch eine Kaufkraft, die jener des Jahres 1979 entspricht. Bei den Durchschnittsverdienern sank die Kaufkraft auf den Wert der frühen achtziger Jahre.
Die Gewerkschaft rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr auf 29 Prozent steigt. Damit wären mehr als 1,4 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Die Schätzungen stehen in einem Bericht, der am Donnerstag vorgestellt wird. Im Mai betrug die Arbeitslosigkeit in Griechenland 23,1 Prozent. Bei den unter 25-Jährigen waren es sogar 54,9 Prozent.
Die düstere Prognose für 2013 habe man unter der Annahme getroffen, dass die Regierung weitere Sparmaßnahmen umsetze, teilte die GSEE mit. Gewerkschaftschef Savvas Rombolis sagte, die griechische Wirtschaft befinde sich weiterhin im Abschwung. Für 2012 erwartet er einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Griechenland um sieben Prozent.